›Mama‹ – das verwunderte Gastelmeier doch einigermaßen. Diese Unbefangenheit des alten Fräuleins!
Der dicke blonde Knabe ließ sich, nachdem er seiner Meinung nach genug gestanden hatte, seufzend wieder nieder und sagte: »Erwin oder Olly könnten ihn auch etwa haben.«
›Auch noch einen Erwin und eine Olly!‹
Schließlich kam es Gastelmeier vor, als wenn es mit dem alten Fräulein eine noch nicht völlig ausgemachte Sache sei. Weshalb sollten es nicht auch ganz geordnete Verhältnisse sein, in die er da geraten war; was man so geordnete Verhältnisse in einem gewissen Sinne nennt.
Die Dame aber bekam deshalb nichts Frauenhafteres für ihn. Sie fuhr immer noch herum und suchte nach dem Schlüssel, zog Schubfächer auf, in denen es nicht besonders einladend aussah.
Aus einer Kommode hingen einige Bänder heraus und ein wirrer Klumpen, den allerhand Fäden und Schnürchen und Läppchen und Schnitzel gebildet hatten. Gewiß ein sehr nützlicher Klumpen, denn es war so ziemlich alles darin zu finden, was ein Frauenzimmer zu Flickereien brauchen konnte. Gastelmeier vertiefte sich in diesen Anblick und dachte dabei an das Heiligtum, das seiner Mutter Nähwerkzeuge und Materialien miteinander darstellten, und es wurde ihm klar, daß das bewußte Inserat in den »Neuesten Nachrichten« nicht das rechte für ihn sei.
Doch als er sagen wollte, daß sich die gnädige Frau nicht weiter bemühen solle, er käme ein andermal wieder, da fand sich der Schlüssel. Sie hatte ihn in der Tasche. »Siehst du,« sagte Emil, der in aller Gemütlichkeit sitzen geblieben war, weise, während seine Mutter zum größten Ärger Gastelmeiers der Schlüsseljagd oblag.
›Schöne Zucht das,‹ dachte er.
»Das ist das Leben!« sagte sie. »Sie werden es auch noch kennen lernen, Herr …«
»Gastelmeier, mein Name ist Gastelmeier. Verzeihen gnädige Frau, daß ich versäumte …«