›Sonderbar,‹ dachte Gastelmeier, ›daß bei diesem energischen Verfahren der eigentümliche Jüngling seine Eigenheiten so gut konservieren konnte.‹
Zur Erklärung dieses Umstandes erfuhr er bald darauf, daß Rebella zwei Jahre bei einer Tante verlebt hatte und seit kurzem zurückgekehrt sei. Während ihrer Abwesenheit war Emil ins Kraut geschossen.
Gastelmeier lernte auch noch in dieser Stunde Erwin kennen, den Sohn aus der Oelschen Ehe. Dieser stellte sich ihm als Schriftsteller vor und er stellte sich nicht nur vor, sondern produzierte sich gewissermaßen damit, daß er vor seinem Eintritt ins Zimmer laut nach Olly und Mama rief, und gleich darauf, ohne deren Antwort abzuwarten, in die Thüre polterte: »Da haben wir die Bescherung, hat mir auch dieser Esel den Roman zurückgeschickt – hab' ich's nicht gesagt? Aber da hieß es immer: Schick' nur – schick' nur –«
Nach diesem Monolog trat ein langer sparriger Mensch von sechs- bis siebenundzwanzig Jahren, aufgeregt, rot im Gesicht, ins Zimmer, sah einen Fremden, war außerordentlich verblüfft, sah seine Mutter, die ein wahrhaft tragisches Gesicht aufgesetzt hatte und bleich und nervös sich auf einen Stuhl niederließ.
Emils altkluges: »Verflucht! – verflucht! – verflucht!« ertönte.
»Um Gottes willen, Erwin, quäl' dich nicht so,« sagte die Dame in nervöser Erregung und fügte noch allerlei hinzu, ohne so recht selbst zu wissen, was sie sprach, entschuldigte sich vor Gastelmeier und stellte diesem schließlich ihren Sohn vor, der weise in Gegenwart des Fremden seinen Ärger zu unterdrücken suchte.
Er hatte einen gut geschnittenen Kopf, war völlig bartlos, hatte ein stark vorgeschobenes Kinn, so daß die Lippen seines kleinen Mundes wie gespannt zwischen Wangen und Kinn lagen. Seine Bewegungen waren eckig und hastig. »So geht's mein Herr,« sagte er in scherzhaftem Ton. »Sie haben soeben den Dichter auf dornenvollem Pfad gesehen. Er hat auch seine guten Stunden.«
Das kam etwas geschraubt heraus, als sagte es ein schon berühmter Mensch.
Gastelmeier war jetzt so weit wieder äußerlich hergestellt, daß er dieser gewaltsam unterdrückten Familienszene entfliehen konnte; aber mit dem Bewußtsein, unabweisbar der rechtmäßige Herr des »originell möblierten Zimmers« geworden zu sein.