Das heisere Läutwerk erklang von neuem. Auf alle Gesichter trat Spannung.

»Verflucht! verflucht! verflucht!« brummte Emil und schlug sich auf die kleinen strammen Schenkel.

Man ließ es zweimal läuten. Olly sagte: »Das ist Tante Zänglein.«

»Ihre Stunde ist's allerdings,« meinte die Mama. »Geh', mach auf, Emil.« Sie erhob sich nicht selbst. Erwins zurückgeschickter Roman hatte sie zu sehr angegriffen; ihre Schwäche aber kam Emils Erziehung, wie es schien, zu gute. Er ging brummend hinaus.

Draußen erhob sich kurz darauf ein munteres Altweiberlachen und eine scharfe, junge Männerstimme redete drein.

»Da bringt sie den sparrigen Kerl wieder mit,« sagte Olly.

»O Gott!« seufzte die Mama.

Die Thüre ging auf und ein flinkes, zierliches Persönchen trat ein, ein allerliebstes altes Weibchen, gefolgt von einem baumlangen Burschen im Lodenrock. Er sah wie ein Bergfex aus, trotzdem er die vollständige Montur, Kniehosen, Nagelschuhe, nicht trug und auch nicht in bloßen Knieen ging. Er hatte ein hageres, langes, von der Natur nicht recht zusammengestelltes Gesicht, und eine vorstehende, sehr bewegliche Unterlippe.

»Fräulein Zänglein, unsre Tante,« stellte die Frau des Hauses die Eingetretene vor, »und: Herr Kaufmann, ein Kollege meines Sohnes.«

»Tantes Erbschleicher,« brummte Emil Gastelmeier ins Ohr. Er bezeigte Gastelmeier überhaupt einiges Vertrauen, das hatte die Geschichte mit dem Rangierbahnhofe schon bewiesen. Ein solcher Bursch wie Emil ist für gewöhnlich wortkarg und steckt voll verschluckter und zu spät ausgebrüteter Bemerkungen.