»Gu'n Tag, Genie!« sagte der sparrige Mensch zu Erwin gewendet, während er sich auf einen Stuhl niederließ. »Wie steht's mit unserm Roman? He?«
Die Dame machte eine abwehrende Handbewegung, die so viel heißen sollte als: ›Schonen Sie ihn. Es ist nichts damit!‹
Erwin Oel bestätigte ebenfalls stumm diese mimische Mitteilung.
»Donnerwetter!« rief der junge Waldmensch teilnahmsvoll, »ist das eine Zucht! Das Beste, was hervorgebracht wird, das stecken die Herren natürlich in den Papierkorb. Ehe etwas nicht altbacken genug ist für ihre schwachen Mägen, verdauen sie's nicht. Immer gefälligst nach alten Mustern. Nur nichts Neues!« Er zog ein schiefes Maul, als ob es ihm eine schwere, unsichtbare Tabakspfeife herunterzöge, und schob die Unterlippe sonderbar vor.
›Aha!‹ dachte Gastelmeier. ›Erwin Oel ist also einer von den Neuesten.‹ Gastelmeier gehörte, wie schon gesagt, zu denen, die still vor sich hin arbeiten, ohne Schlagworte und Geschrei.
Als wollte sie seine Gedanken bestätigen, nahm die vergeistigte Dame das Wort: »Es ist wirklich eine wertvolle Arbeit, gewissermaßen eine Prophetie, ein Ruf an die Menschheit zur Umkehr.«
Gastelmeier schaute sich Erwin Oel mit erneutem Interesse an, wie demnach einer aussieht, der einen Ruf an die Menschheit ergehen läßt. – Ein grüner Junge! In Gastelmeier siedete es, diese Mutter war ein Verhängnis für ihre Kinder. Er konnte etwas Verrücktes an einem Weibe nicht leiden. Die jungen Hühner, die hier so verschroben ausgebrütet wurden, thaten ihm leid. »Na!« sagte er zu Emil, »seid Ihr denn so modern?«
Emil zuckte auf eine schändlich blasierte Weise die Achseln, setzte sein ironisches Gesicht auf und brummte etwas, was so viel heißen sollte wie: Mistjauche! Wenn's aber noch etwas Erträglicheres giebt, so ist's das Moderne. »Übrigens,« sagte er laut, »was heißt modern?«