Emil arbeitete immer noch mit seinen kleinen festen Fäusten daran, den Krahn umzudrehen, und war in heißen Dampf eingehüllt wie ein Posaunenengel in Wolken. Da schob endlich der Kraftmensch die verzweifelte Gesellschaft auseinander und würgte in den Dampfwolken herum und wie es schien, mit Erfolg, denn das Hineinschießen des Wassers in die überrinnende Badewanne hörte auf. Er brachte dann die Geschichte soweit in Ordnung, daß wenigstens einer weiteren Überschwemmung und einer Dampfkesselexplosion vorgebeugt war.

»Herr, mein Gott! Dieser unselige Roman!« rief Frau Kovalski. Sie war nun von dem drohenden Weinkrampf, der sich bei dem Anblick der Küchenverwüstung angekündigt hatte, wirklich gepackt und suchte an Erwin Halt, der selber fassungslos dastand.

»Ein Unglück bringt zehn andre mit sich,« schluchzte sie.

Tante Zänglein amüsierte sich schon wieder. »Das kommt wirklich alles vom Roman,« sagte sie eifrig zu Gastelmeier und zwinkerte pfiffig mit den Äuglein. »Ich kenn' das schon. Nach so einem Mißerfolg sind sie gedankenlos wie die Hühner …«

Gastelmeier ging heute ganz überwältigt zu Bette und mit dem festen Entschluß, so bald als thunlich sich aus dem Staub zu machen. Da war ihm sein veritabler Rangierbahnhof mit der guten Verpflegung doch lieber als dieser, der auf geistigem Gebiet verzehnfachten Spektakel machte. Da war gar kein Zweifel, von hier mußte und wollte er fort.


IV.

Fastnachtsdienstag in München.

Die Narrenwelle, die das Lebensmeer jedes Jahr breit über die Stadt hinspülen läßt, spült auch dieses Jahr bei schneidendem Märzwind durch die Straßen und führt allerlei wunderlich aufgeputztes, aufgeregtes Volk mit sich, dem der eisige Wind um die Nase streicht, oder die leichenhaft starren Larven lüftet, die bunten Lumpen um den Kopf schlägt und den Spaß im Freien einigermaßen verdirbt. Trotzdem war den ganzen Tag ein Gelauf und Gerenne gewesen. Der Humor war von der Kälte etwas ungelenk und frostig geworden, mußte erst die starren Glieder recken, und von dieser Anstrengung wurde er dann etwas grob und unerfreulich. Es war notwendig, daß man ihn zum Auftauen brachte. Das fühlten alle und deshalb war ein gewaltiges Drängen nach den Cafés und Wirtshäusern und Bierkellern.