Aber bleibe einer seiner Würde treu, der in einen Strudel gerissen ist, und so ein echter, rechter Liebesstrudel ist in dieser Beziehung gefährlicher als irgend ein Sturm oder Wasserwirbel.
Im Lauf einer halben Stunde befanden sie sich alle drei einmütig miteinander auf dem Weg nach den Zentralsälen. Die Mädchen hatten Lärvchen und Kapuzen wieder aufgesetzt, – den Ausschlag zu diesem Entschluß hatte Annele gegeben, Gastelmeiers gutes, einfaches Annele. »Gehen wir doch,« hatte sie gesagt, »wenn sie es will, weshalb denn nicht – wenn sie's zu ihrer Malerei braucht? Ich kann mich nicht anders ausdrücken,« fuhr sie ruhig und bedächtig fort, »wenn ich eine Kuh malen könnte, würde ich sie auch nicht während der Stallfütterung malen, sondern wenn sie auf der Weide ist.«
»So,« sagte Gastelmeier, »die Weiber halten immer zu einander.«
»Was anders wie im Luitpold wird's ja doch wohl auch nicht sein,« sagte sie. »Rechte Kälber sind's. Jedes macht so seine Sprünge. Ein bissel Freiheit – dann ist's bei Mensch und Vieh das Gleiche.«
Olly und Annerl fanden sich ganz gut zu einander. Und Annerl war tapfer. Gerade weil Olly es war, durch die ihr so weh geschah, gerade deshalb mußte sie ihr beistehen.
»Ich halt' mich fest an dir,« sagte Annerl zu Gastelmeier, als sie die steile, steinerne Treppe zu den Zentralsälen hinaufstiegen.
»Thu das nur, und Sie auch, Fräulein Olly.«
Die ganze Treppe entlang standen trübselig alte verdorrte Tannen, die hatten schon den ganzen Winter als Schmuck gedient und verloren jetzt die braunen Nadeln. In den Korridoren, wo die Menschen eng an den Zweigen vorüberstreiften, waren die trockenen Bäume zu Besen geworden. Zwischen diesem elenden Festschmuck drängte die Menschenmenge ein und aus, Männer und Frauen, lauter junge Frauen in meist schwarzen, eleganten Kleidern mit bloßen Armen und Schultern. Fast alle hatten ihr schwarzseidenes Lärvchen vor und eine sonderbare kapuzenhafte Kopfbedeckung. Unsre drei hatten schon genug derlei Gestalten im Café Luitpold gesehen.
Annele hielt sich eng an Gastelmeier fest. »Nicht du, du nimmst mir's net übel, wenn ich mich fest halt'?« sagte sie noch einmal. Und es lag etwas in dieser Frage, das jedem andern aufgefallen wäre, nur Gastelmeier nicht, der beunruhigt und erregt mit seinen beiden Schutzbefohlenen vorwärts strebte.
»Also ihr wollt wirklich?« fragte er noch einmal.