»Wenn es ihnen paßt und sie nichts andres zu thun haben, kommen sie in der Faschingszeit wahrscheinlich oft hierher,« erwiderte er.
»Womöglich alle Abende so lang es dauert – jahrelang?«
»Meinetwegen,« sagte Gastelmeier, »was geht's mich an?«
»Die Hand würde ich ihnen dann allerdings nicht geben, und ihre Kleider würden mich ekeln, und sie selbst würde ich verachten – wissen Sie, verachten – das ist's.«
»I wo,« sagte Gastelmeier. »Es können die besten Burschen sein; danach darf man nicht gehen bei einem Manne.«
»Auch dann nicht, wenn sie sich hier wirklich und wahrhaftig vergnügen, wenn sie sich hier im Schmutz gewälzt haben, auch dann nicht? – Und wenn es ein Mädchen auch nur gesehen hat, ohne jeden andern Anteil der Seele als Ekel und Verachtung, dann glauben Sie, sie sei schmutzig geworden, es sei etwas hängen geblieben? Sie wagen es, ihr die Hand zu entziehen? Ich habe es wohl bemerkt.«
Olly hatte bebend gesprochen. »Gehen Sie – gehen Sie – so einen ungerechten Schutz brauch' ich nicht. Ich bin mir wahrlich Schutz genug. Was ich sehen wollte, hab' ich gesehen. Wissen Sie, wir Frauen werden, wenn wir Figurenmaler sind, leicht süß – ein Wunder!« – Sie zuckte die Achsel. »Wir anständigen Frauen bekommen das Leben so süß vorgemalt – so süß und harmlos. Es ist alles so wunderbar in Ordnung, es sind alles solche würdevolle Mustermänner, so vortreffliche Verlobte und Ehemänner, sanft wie die Lämmer. Wir bekommen die Leute nur immer zu sehen, wie der Director seine Schüler beim Examen. Meinetwegen – aber in der Kunst will ich nicht süß werden. Ich will nicht. Wahrheit will ich! Und wenn Sie mich drum verachten, verachten Sie mich! Und wenn Sie Ihren Arm einziehen, ziehen Sie ihn ein! Ich brauch' ihn nicht!«
Damit war sie auf und davon gegangen durch das Gedräng – und im Gedräng verschwunden. Gastelmeier und Annele eilten ihr nach.
»Da durch die Thür ist sie 'nausgeschloffen,« rief Annele. Sie bahnten sich durch die tanzenden Paare den Weg und standen draußen, vor der steilen, steinernen Treppe.