Gastelmeier kam nach Hause. Olly winkte ihn zu sich heran und flüsterte ihm zu: »Mimm, es liegt eine Poesie in ihr!«
»Na, weißt du,« sagte Gastelmeier, »ich bin nu mal für diese Art muffliche Poesie nicht besonders eingenommen. – Aber ganz gut – sehr gut. Na ja! Übrigens, es hat wirklich einer, wie ich dir's vorher gesagt habe, mich wegen deines Bildes angesprochen. Wenn du dich's erinnerst? ›Gastelmeier, die Dinger von deiner Frau sind net übel.‹ Weißt du noch?« Olly nickte, ganz in ihre Arbeit vertieft. »Grad' von dem ist's das reine Wunder, du kannst dir's hoch anrechnen. Es ist der Köppert!«
»Ach nein!« rief Olly, wie von einem märchenhaften Glück ganz überwältigt, und legte ihre Palette aus der Hand.
»Na, er hat es halt, wie er so ist, auf seine Weise in den Bart gebrummt. Das wär' mir übrigens nicht der Rechte.«
»Wie kannst du das sagen, Mimm!«
»Kennst du ihn?« fragte er.
»Persönlich nicht; aber seine Arbeiten. Solang ich weiß, waren die immer das, was ich liebe. Eigentlich der Einzige in Deutschland, der ganz das ist, was ich fürs Beste halte.« Olly war tief erregt, ihre Wangen glühten. »Mimm, ist es auch wahrhaftig wahr?« fragte sie noch einmal und sah gespannt auf ihn. »War's Spaß?«
»Nein, Herrgott noch einmal! Was ist denn da so Extras dran? Er hat's einfach gesagt.«
»Siehst du, er ist der Einzige, der das Leben so ganz nimmt, wie es ist – so nur die Wahrheit, ohne alles Dazuthun, und so tief. Wie habe ich den Menschen immer beneidet!« Sie fiel ihrem Mann mit einer heftigen Bewegung um den Hals. »Also er hat's wirklich gesagt?« Sie mußte husten und richtete sich auf. »Neulich war ich in der Pinakothek bei den alten Sachen. Wie hab' ich sie – viele davon – immer angebetet, was hab' ich da für Stunden verlebt und wie thu' ich's noch! Aber weißt du, bei den wundervollen braunen Schwarten war mir's auf einmal, als ich an Köpperts einfache Menschen mit dem alltäglichen tiefen Menschenausdruck, an seine matte Sonne, an seine graue Luft dachte, als wenn ich in einem engen, vornehmen Zimmer atmen müßte, darin eingesperrt wär' – und Köppert, der hatte die reine frische Luft und die Freiheit.«