Ich dankte dem braven Herrn in unartikulierten Lauten und fand mich erfolgreich über die Straße in die düstere Schenkstube des Goldenen Drachens. Ein langer Schenktisch trennte auch sie in zwei Hälften. Auf der einen Seite, deren Hintergrund, halb Keller, halb Apotheke, mit einem phantastischen Aufbau von Fässern und Flaschen geziert war, befanden sich sechs elegant gekleidete Damen mit großartigen Chignons, die sich bemühten, vierundzwanzig weniger elegante Gäste auf der andern Seite feucht zu erhalten. Auch hier brannte Gas. Alles stand, alles schwatzte, lachte und trank; schwarze, braune und goldgelbe Biere, wunderliche Weine, heiße und kalte gebrannte Wasser aller Art, aus denen die Damen mit großer Behendigkeit dampfende Gemische brauten. Und alles war für mich neu, fremd, unheimlich. Hier galt es nun, Kapitän Brown zu finden, dessen Bild, wenn ich es je aufgefaßt hatte, mir in den Tiefen der Seekrankheit völlig entschwunden war. Ich beobachtete eine Zeitlang meine Umgebung und entdeckte nichts Ermutigendes; rote Nasen, triefende Augen, scheinbar halbbetrunkene Matrosen, ein paar ältere Damen von unzweifelhafter sozialer Stellung; aber auch einige anständig aussehende Herren, die hereinhuschten, rasch und stumm ein Glas leerten und wieder in den Mittagsnebel hinausstürzten. Meine Beobachtungen führten zu keinem Ergebnis. Es mußte etwas geschehen. Ich stellte mich an den Schenktisch, sah mich um, wie wenn ich die ganze Gesellschaft freihalten wollte, und rief laut: »Kapitän Brown! Kapitän Brown!«

Mein Nachbar, ein kleiner, dicker Mann mit Riesenknöpfen an seiner Jacke, die aus dem Fell eines unbekannten wilden Tieres gemacht zu sein schien, drehte sich langsam um.

»Ich bin Kapitän Brown. Was wollen Sie von mir?«

Viktoria! Aber jetzt galt es wieder, sprachlich zu glänzen. Die ganze Schenke lauschte gespannt.

»Ich bezahlen wollen Billet Antwerpen-London; sechzehn Schilling, sechs Pence!« begann ich entschlossen. »Zweite Klasse. Verstehen Sie?«

»Ich bin nicht der Purser!« sagte der kleine Mann mit düster werdender Miene. »Da müssen Sie ins Bureau hinauf. Dort sitzt das Federvolk. Der dritte Schalter, rechts! Fragen Sie nach Mister Whitley.«

»Aber ich tue kommen von Mister Whitley,« erklärte ich. »Ich tue wünschen sprechen mit Sie, Kapitän Brown, nicht habend bezahlt meine Passage.«

Nach einer Viertelstunde harter Arbeit, an der sich der größere Teil der Gesellschaft beteiligte, verstanden wir uns; aber der Schweiß stand mir auf der Stirn.

» Well,« sagte der Kapitän, »Sie sind eine Kuriosität. Wenn Sie mit Gewalt wollen: her mit dem Geld! Man muß die Ehrlichkeit bei diesen Ausländern ermutigen.«

Er steckte meine einundzwanzig Franken mit wohlwollendem Lachen und unbesehen in die offene Tasche und schüttelte mir die Hand. »Was wollen Sie nehmen? Ein Glas Ale? Einen Sherry? Hallo, Jungen!« – Der Kapitän schien plötzlich von Freunden umringt zu sein. – »Was wollt Ihr nehmen? Brandy? Whisky? Ale, Porter, Stout? Jeder nach Belieben; ich bezahle. Wir trinken auf die Gesundheit dieses Gentleman; meines Freundes. Mister Dingsda. Wie heißen Sie?«