Der Sturm hatte nachgelassen.
Sie bogen jetzt ins Dorf ein.
Die Kirchturmuhr schlug zwölf: die Geisterstunde!
»Da kommen wir ja gerade recht,« meinte Horny.
Marie tat einen tiefen Seufzer. »Wenn ihr so sprecht, geh' ich wenigstens nicht mit,« protestierte sie leise, aber heftig.
»So seid ihr Mädchen: ›Wasch mich, mach mich aber nicht naß!‹« rief Budang. »Ich habe es immer gesagt, Röse und Marie denken nicht; sie tun's nur!«
»Nein,« sagte Röse, »da irrst du dich!«
Sie gingen jetzt auf einem schmalen Wege, der an der Ilm vorüberführt. Und die Ilm gluckste und rauschte auch hier geheimnisvoll nächtlich, und der Wind pfiff noch gespenstischer durch die riesig hohen Ulmen. »Wenn sie hier käme,« flüsterte Marie zitternd, »da könnten wir doch nirgends ausweichen, – so zwischen der Mauer und der Ilm. – – – Ich stürb' auf der Stelle, wenn sie mich anfaßte!«
»Fällt ihr nicht ein,« zürnte Budang; »wie soll sie darauf kommen, dich anzufassen? Schließlich war sie doch eine vornehme Dame, und die wird sich doch nicht im Grabe solche Handgreiflichkeiten angewöhnt haben!«
»Laß doch,« meinte Ernst Schiller, »sie mag das nicht hören!«