Marie war jetzt im Grund ihres Herzens tief erregt; das nächtliche Ausreißen von daheim, die dumpfe Sorge, daß sie doch etwas Unrechtes täten, das schauerliche Ziel, die vermutliche Nähe des Entsetzlichen – all das hatte sie überwältigt, und sie brach in Tränen aus.

Seele und Körper erschauerten ihr. Sie suchte eine Stütze; Röses Hals umklammernd, weinte sie bitterlich.

»Marie,« schalt Budang, »sei doch vernünftig!«

Die drei Freunde standen um die Ratsmädchen her und wußten nicht, was beginnen.

»Laßt sie nur!« sagte Röse. Und beide Mädchen steckten ihre blonden Köpfe ganz dicht zusammen, und die jungen Körper schmiegten sich fest einer an den andern.

Der Mond schien hell über sie hin.

»Röse,« bat Marie schluchzend, »nicht wahr, du, wir verlassen uns doch nicht?«

»Nein,« sagte Röse, »gewiß nicht.«

»Die arme Göchhausen!« schluchzte Marie wieder, »wie muß der zu Mute sein! – Und wie schrecklich, daß sich die Leute so vor ihr fürchten!«

»Wir wollen sie anreden,« ermutigte Röse, »und wollen sie fragen. Vielleicht können wir ihr helfen. Komm, Marie!«