Die guten Herzen der Beiden überwanden das Grauen.
Sie hielten sich noch eine Weile umschlungen, während Röse leicht beschwichtigend auf Maries Rücken klopfte. »Nun gehen wir weiter,« sagten sie dann, und sie hingen sich wieder ein in die Arme ihrer Freunde.
»Der Mond hat sich wieder versteckt,« meinte Marie bedenklich.
In der großen, tiefen Stille, die durch kein Geräusch gestört war, nur die Ilm plätscherte, und der Wind fuhr durch die Baumkronen, da hörten sie etwas! – Was war das?
Sie befanden sich noch auf dem schmalen Weg. – Von fern ein Scharren – ein Laufen – ein Huschen – Schritte – aber merkwürdige Schritte – in Sätzen – etwas ganz Unvermutetes, Unvernünftiges, Menschenunwürdiges!
Sie standen alle bewegungslos, lautlos.
Wenn sie das wäre, so wär's grauenhaft, so ein unwürdiges Hupfen und Huschen!
Ihre Herzen klopften zum Zerspringen. Es kam näher – grad' auf dem Wege kam es auf sie zu – näher – immer näher, auf dürren Blättern gehend, dann hopsend! Ja, wenn sie das wirklich wäre, dann überstiegen diese Laute alle Phantasie! Der entsetzlichste Kobold hätte nicht widersinniger rennen, hüpfen und stehen bleiben können, als es das tat, was da ankam! – Und zu denken, daß diese arme Seele eine vornehme, geistreiche Hofdame war, wenn auch mit einem etwas boshaften Mundwerk gesegnet und mit einem Buckel! – Ein Mensch! Eine Hofdame!! – so heruntergekommen, so urweltlich sich aufführend – so ungeheuerlich!
Die junge, starke Phantasie der fünf Nachtwandler wurde mächtig bestürmt. Sie standen wie Schatten an die Gartenmauer angedrückt – totenstill. Wie mußte erst das Aussehen des Spukes sein, nach solchen Lauten! – Sie hatten sich alle eine unbestimmte Vorstellung von der Begegnung mit der Göchhausen gemacht, etwas Geisterhaftes – Nebelhaftes – Huschendes – Fiependes – und daß sie wie aus einer Flasche sprechen würde; aber nicht so – um Gottes willen nicht so!
Der Mond war hinter eine zerfetzte Wolke gekrochen, deren Ränder versilbernd.