»Und das Haff?«

Er sah mich groß an. »Na nu, Sie wollen doch nicht aufs Haff? Was haben Sie da zu suchen? Das lassen Sie lieber bleiben; es ist auch schon zu spät am Tage.«

»Das wär' nicht schlimm,« meinte ich, »und sicher muß es doch sein; übrigens war es nur so 'ne Idee.«

»Gott, ja,« sagte er, »am Ufer lang soll ja gute Bahn sein; aber weiter 'rein ist's faul; es ist zu viel Sturm gewesen, daß es nicht richtig hat zugehen können; es haben welche 'rüberlaufen wollen, sind aber wieder umgekehrt, weil es zu ungemütlich war und überall knackte.«

Da schwieg ich still; und er kramte richtig ein Paar angerostete Holländer heraus, aber sonst leidlich im Stande und von guter Bauart. Und ich dank' ihm und mach' mich auf den Weg.

Was ich wollte, wußt' ich. Quer über's Haff nach Ellermünde. Wenn ich mich dran hielt, konnt' ich drüben sein vor Dunkelwerden und vor der Stettiner Post. Hätt' ich Extrapost ums Haff herum nehmen wollen, ich hätte mindestens die vierfache Zeit gebraucht – und morgen früh kam ich zu spät, daran war also nicht zu denken.

So ging's denn auf die Reise. Wie ein Donnerwetter den Strom hinauf und nachher über die Wiesen. Das Eis war wie ein Spiegel und so klar, daß man jeden Grashalm darunter sehen konnte. Es liefen ziemlich viel Leute, Fischer und andere, und ich hätt' noch manchen nach dem Haffeis fragen können, tat's aber nicht; ich hatte heimlich Angst, sie könnten die Köpfe schütteln und mir's ausreden wollen. Ich wollt' nun mal nichts sehen und nichts hören, ich ging drauf los wie der Bulle auf den roten Flicken.

Die Luft war schön und still wie in der Stube, der Himmel ganz blau: heißt das, im Südwest stand es grau und dick. Ach, Unsinn, dacht' ich, bei der Windstille kommt das nicht 'rauf, am wenigsten in zwei Stunden, und bis dahin bin ich drüben.

Also immer drauf los über die Wiesen weg. Und eh' ich mich's versehe, ist das Eis unter mir schwarz, keine Spur mehr von Gras und Kraut, und auch kein Mensch rundum; ich bin also auf dem Haff. Siehst du wohl, und es geht wunderschön. Kerneis durch und durch; das hält wie Balken. Also immer stramm weiter.

Und ein helles Vergnügen ist's und bleibt's doch, so dahin zu jagen, ganz allein; wie ein Adler kommt man sich vor, es ist gar nicht, als ob man den Boden berührt. Man fühlt sich so sicher; das Eis kann ja gar nicht brechen, weil man doch bloß so lose darüber streift. Ebensogut könnt' ein Vogel stolpern und ein Fisch sinken. Und immer vorwärts, immer vorwärts. Ja, das ist erst das Wahre, über solche Fläche zu schießen, die kein Ende hat und keine Unterbrechung; blankes, schwarzes Eis vor sich und hinter sich und rechts und links, und weiter nichts. Kein Mensch und kein Tier und kein Strauch und kein Pfahl und kein Halm. Und auch kein Ton; bloß die Schlittschuhe schurren leise, als ob das Eis singt, und die Luft streicht sachte an den Ohren vorbei. Es geht nichts darüber, sag' ich bloß.