Das Weib hat die Natur überboten, sich selbst unterboten. Die Natur hat es dem Unfreien, dem Dulden näher gestellt als den Mann — und es hat seinen Vorteil darin gefunden! Es ist sich selbst zur Ware geworden. Das was es leiden muß, ist ihm vorteilhaft. Es schachert mit seinem Leiden! Widerlich!

Ein Tier, das gejagt wurde wie das Weib gejagt wird, dem wüchse irgend etwas, ein Horn, ein Giftzahn — dem Weib wuchs nichts. Es wurde zahm und zahmer, widerlich zahm, das Haustier im vollsten Sinne!

Wäre Fräulein Isolde Ladenmädel, würde ich sie zu meiner Geliebten machen. Weshalb nicht? — und sie davonjagen, wenn sie mir unbequem würde — vielleicht zu kunstsinnig — kunstsinnige Weiber! — gräßlich! —

Wie selten hat ein Künstler die Freude am schönen Weib.

Hier wär sie, die Freude.

Schade!‘

Henry Mengersen blies gedankenvoll die blauen Wölkchen seiner Cigarette von sich.

Isolde hatte des geliebten Mannes Blicke wohl empfunden.

Ja, er hatte recht. Sie erschauerte, im Gefühl ihm anzugehören. Sie war ganz in sich verstummt.

Das große Geheimnis des Weibes, wie sie es damals verstanden hatte, als sie zum ersten Mal seine Kunst ganz in sich aufnahm, lag über ihr.