Doktor Frey reiste Tags darauf mit Isolden, seinem Liebling, nach Berlin ab, um in Mamas Namen manches zu erledigen.
Isolde war schweren Herzens gegangen. Ihre Rosen blühten noch in den Gläsern.
Mittlerweile geschahen Wunder und Zeichen in der Frey’schen Wohnung.
Mama hatte im Koupé wahrhaft kühne Pläne geschmiedet; auch Mama waren die Flügel gewachsen. Mama, die in ihrer langen Ehe nie aus der Bedrängnis gekommen war, aus Bedrängnissen, die von Kind zu Kind, von Jahr zu Jahr gewachsen waren, Mama wollte jetzt ihres Glückes froh werden.
Es war ihr Geld — ja — das war es doch? Der Bruder hatte es ihr vermacht — doch ihr?
Nun konnte sie einmal alles nach eigenem Gutdünken thun. Wie gut, daß er jetzt nicht daheim war.
In ihrem Hirn hatten sich, so lang sie dachte, die schwierigsten Probleme gewälzt: ‚Fett oder Schmalz? Was giebt mehr aus? Wie dehn’ ich’s am besten? Heut nehm’ ich um ein Bröckel weniger, dann reicht der Rest morgen noch halbwegs — und übermorgen — da schöpf’ ich’s von der Suppe.‘
Und die unheimlichen Kunststücke mit Fleisch und Butter, daß alles ausreiche. — Und das Hangen und Bangen in den letzten Tagen des Monats, wenn das Geld trotz alles Quälens und Marterns nirgends mehr langte; — und die ewige Unzufriedenheit, daß nichts gut genug war — und das Schuldbewußtsein, die Angst, wenn sie antreten mußte, um das Wirtschaftsgeld zu erbitten — auch wenn es pünktlich um die vorgesetzte Stunde war — er war doch immer entrüstet. Wie eine Verbrecherin, eine Geldfortschlepperin hatte sie vor ihm stehen müssen — ein Mal wie das andre Mal.
Da konnte sie sich bis aufs Blut gepeinigt haben und wie ein Raubtier hinter allem drein gewesen sein. Das war alles gleich — immer dieselbe Operation.
Ach, wie sie alles dessen müde geworden war — schon längst — längst müde, wie ausgesogen.