Der blaue, leuchtende Himmel schaut durch das Oberlicht zu ihr nieder.
Schwalben ziehen ihre schrillen Sommertönchen im schnellen Flug wie feine, glitzernde Fäden über den blauen Ätherraum hin. Sie weben im Kreuz- und Querflug ein Netz von diesen süßen, spitzen Lauten. Ein Zug Tauben fliegt über das gläserne, kuppelförmige Dach. Die Flügelschwingungen hören sich so fein, so fließend an, so durchdringend frei, ohne jede Erdenschwere.
Isolde ist ganz in sich selbst versunken. Sie bewegt sich in dem starken, mächtigen Licht, in dem großen, kahlen Raum wie im Freien.
In ihrer Hand hält sie achtlos den Grabstichel.
Auf einem kleinen Tisch liegen zwei geöffnete Briefe.
Gipsabgüsse stehen längs der Wände, Abgüsse nach der Natur, Glieder, Häupter, Totenmasken.
Der Schädel, der Isolden durch fünf Jahre begleitet hat, ist das einzige im Raum, was gewissermaßen als Schmuck auffällt. Er trägt eine schimmernde Narrenkappe aus einem alten, köstlichen Goldstoff und darüber einen braunen Lorbeerkranz.
Sonst im ganzen Atelier kein Schmuck, weder ein Teppich, noch sonst ein Luxusgegenstand.
Unter der Kuppel, jetzt ganz von Licht übergossen, ein wunderlich fremdartiges Werk, eine sitzende Buddhastatue aus fleckenlosem Marmor:
Isoldens Werk.