Sie hatte so in sich selbst verschlossen gelebt — in ihrer Arbeit.

Sie hatte gewissermaßen nicht für ihre eigene Person erstrebt, was sie nun anfing, zu besitzen.

Das Weib in ihr war es, was sich mühte, was rang, was ein Ziel verfolgte, was tief erregt bei jedem Mißlingen verzweifelte, was aufjauchzte bei jedem Gelingen.

Sie wollte den Begriff Weib in sich selbst umwerten, umgestalten. Erlöser-Seligkeit und Schmerzen standen ihrer Seele nach.

Weltfremd, jahrelang nur von einem fanatischen Arbeitsgeist besessen, war ihr vieles jetzt so neu.

Wie mit wunden Nerven hatte sie seit jener Nacht vor fünf Jahren das Weib-sein empfunden. Das Geschöpf zweiter Klasse sein, das Ausgeschlossen-sein von allem geistig Lebendigen, das Stehengebliebene, Unentwickelte — nur Körperliche.

Es war so etwas Trauriges — um das Weib …

Sie arbeitete fanatisch, sprach aber zu keinem von ihrer Arbeit — kein Wort über Kunst! Taktlos — albern von einem Weib. Wozu? Einfach lächerlich!

Wo sie hinblickte, traf sie auf eine schmähliche Kränkung.

Jedes Buch, das sie aufschlug, bestätigte was sie empfand.