Auf einem alten merkwürdigen Platz, hinter der griechischen Kirche, haben sie eine Fleischbank abgetragen, um eine große Markthalle zu bauen und sind dabei auf menschliche Gebeine gestoßen, — auf eine so große Anzahl von Gebeinen, daß es den Leuten angst und bange wurde.
Auf so etwas waren sie jahraus, jahrein getreten, bei ihren Einkäufen, ihren Spaziergängen und bei manchem Stelldichein.
Gerade an der Straßenecke, in dem dunkeln Winkel, der abends so ungestört, so einladend war, auf dem so viel Generationen heimliche Küsse getauscht haben, hat so ein Großer, Langer gelegen, kaum einen halben Meter unter den Pflastersteinen, so gut noch beisammen, so langgestreckt, und die hohlen Augen gen Himmel gerichtet.
Auf solch einem Grausen hatten die Pärchen also immer gestanden.
Hunderte hatten tagsüber den Platz umlagert und auf das Schauerhandwerk der Arbeiter geschaut.
Die Knochen wurden aus dem dunkelbraunen Sand herausgewühlt und in große Kisten gelegt.
Ein fideler Kapuziner, der zur Beaufsichtigung der Angelegenheit beigegeben war, hatte hin und wieder den Deckel einer Kiste gehoben und schmunzelnd Umschau über seine Schutzbefohlenen gehalten.
Es waren halt auch Kapuziner gewesen, diese braunen Knochen. Der Kapuziner hatte daher etwas ganz Kollegialisches im Verkehr mit ihnen.
„Wir sind vom selben Orden. Ich kenne eure Schliche, Fratres.“
Er wog einen Schädel in der Hand — und schmunzelte. Er wog einen Schenkelknochen und schmunzelte, nahm es, Gott Lob, von der leichten Seite.