Ihre Mutter war ihnen so unheimlich, wie der Vater. Dies nächtliche Zusammensein berührte sie bang.
Sie hatten schon immer allerhand im Halbschlaf gehört. Thüren werfen, die laute Donnerstimme des Vaters; aber es war sie nichts angegangen.
Isolde hatte bei dem Anblick der Mutter ein dumpfes, unklares Bild, als ertappte und belauschte sie ein Nachttier auf seinen Gängen, ein Tier, das Nachts sehen kann, das Nachts sein eigentliches Leben lebt, das Nachts kämpft und leidet, das, wenn alles schläft, geheimnisvoll lebt.
Sie fühlte ein so sonderbares, nebelhaftes Grauen vor Vater und Mutter! Was für zwei fremde Menschen waren das eigentlich?
Das war auch nicht das geschäftige Mamachen, das den ganzen Tag so eifrig unbedacht herum wirtschaftete, mit dem Dienstmädchen schalt, immer im Trab war, sparte und zankte und wegarbeitete was ihr unter die Hände kam.
Um diese Stunde schien alles Mütterliche von ihr abgefallen zu sein. Da war nur das Weib geblieben, das eigentlich nicht mehr Weib war, etwas Aufgebrauchtes, Zurückgestoßenes, Geduldetes; aber etwas, ohne das der Mann nicht mehr auskam.
Isoldens dumpfe Gefühle wurden ihr nicht zu Gedanken, nahmen die klare Form nicht an, aber beängstigten sie.
Es war da etwas Schreckliches.
Sie hätte sich an die Brust der Mutter werfen und weinen mögen — aber — das Geheimnisvolle, Nachttierhafte, das sie in der Mutter empfand, hielt sie davon ab.
Der aromatische Geruch des starken Moccakaffees lag in der Zimmerluft.