Dort geht sie, auf den schwarzen Ebenholzstock gestützt, diese herbe, vornehme Frau, diese ganz souveräne, eine Frau, in der der Geist mächtig wurde, eine Herrin des Lebens. – Und Christine, du Reine, auf dich kam die größte Schmach des Weibes, unter der noch keine in der gebildeten Welt frei dahergehen konnte. Diese schwere Schmach hat noch jede zu Boden gedrückt und zur Lügnerin gemacht. – Dich nicht!
Frei hältst du dein Kindchen im Arm.
Wie eine dunkle Wolke liegt die Verachtung der Menschen über dir; aber in deiner Seele ist es nach schwerem Kampf sonnig klar geworden. Auch du bist Herrin geworden, dein Kind ein Königskind – das Kind des freien, ungebeugten Weibes.
Wie geht es dem Rothsplätz, bei dem du Schutz gefunden hast? dem Manne aus dem Volk, dessen Gesicht immer zur Erde gekehrt ist, und doch so heiter blickt wie der liebe Abendhimmel. Er hat dir gezeigt, dir, dem armen gehetzten Geschöpf, wie weit das Volk, das arme Volk den Reichen, den Hochgebildeten voraus ist. – Nicht wahr, er hat dich und dein Kind vor ihnen geschützt wie mit Mauern, in seinem Haus warst du frei und unbescholten?
Diese Armen hatten, was Reichen fehlt. Sie waren menschlicher. – Bei ihnen hatte das Weib schon gesiegt.
Diese Leute möchte ich nun in Wahrheit guten Menschen anempfehlen. Redet mit ihnen! Ich bitte euch, sucht sie zu verstehen. Sie sagen auch viel mehr, als es auf den ersten Blick scheinen möchte – viel mehr. –
All diese Gestalten, von denen ich euch hier sprach, sind der Ausdruck eines so überaus reichen, lebendigen Lebens, der Ausdruck einer Seele, die durch Schweres ging, die Schweres kannte und fühlte, die aber im tiefsten Grunde glückselig und dankbar ist, denn ihr wurde das höchste Glück zu teil, den Menschen zu finden, der sie ganz verstand, der in seiner großen Geistesreife und seinem Können und tiefem Wissen und seiner Güte hilfreich zu ihr stand, der aus einer wunderbaren Fülle sie belehrte, dem sie alles dankt – auch alles Glück auf Erden, Freund, Lehrer, Gemahl zugleich – und jede Stunde segnet sie, die sie beisammen sind.
Wie ist es mir aber in den Sinn gekommen bei so glücklichem Leben, mich mit solchem Volk zu befassen?
Ich begreife es heut noch nicht.
Die Arbeit allein, die Mühe, die Not, die Sorgen, ehe solch ein Kauz sich präsentieren kann, hätte mich abschrecken sollen, – denn ich war so faul, so wundervoll faul!