Und noch ein dritter Brief von einem Arzt.

»An die Schriftstellerin Helene Böhlau.

Ich habe den ›Rangierbahnhof‹ gelesen und war zugegen, wie Köppert das Seelchen fand, ich durfte der dritte im Bunde sein; auf mich ist von dem Glücke übergegangen, das zwischen den beiden erstehen durfte. – Das will ich nicht vergessen und Ihnen lange dankbar sein, weil Sie mich zu den zwei Menschen führten, bei denen ich rein und gut sein konnte.«

So, nun habe ich glücklich meine Prahlerei zu Ende gebracht und könnte noch ein ganzes Weilchen fortfahren, doch möchte ich nicht, daß jemand meine Skizzen unmutig aus der Hand legte, und ich will mir meine Freunde erhalten.

Meine Geschichte der Dorothea gehört übrigens nicht zu den trübseligen. Ich habe sie ausgespickt mit allerlei lustigem, freundlichem und thörichtem Volk. Da ist ein Herr von Bublitz, ein fetter Schlingel, der dem Wohlthätigkeitssport obliegt, da ist ein prächtiger lustiger Onkel, schöne Mädchen die Hülle und Fülle, eine gräfliche Hochzeitsgesellschaft, die des Guten zu viel gethan hat.

Das mag noch alles gehen; aber da laufen welche aus Stambul, wunderliches Volk in wunderlicher, göttlich schöner Umgebung, alles wächst und blüht und duftet und leuchtet, und die Menschen wachsen und blühen mit und werden freudig und gesund. Es sind gar liebe Leute, die »im frischen Wasser«.

Ich begegne noch manchem Gesellen; dort, fern von den andern, dem guten Reichlin aus dem »Herzenswahn« mit seiner kleinen überspannten Käthe.

Ein altes Pärchen, »die alten Leutchen«, geht zufrieden miteinander. Die kleine zierliche Frau hat mit ihrem würdigen Herrn ein Lebtag im dunklen Lädchen gesteckt und kommt im Alter zu einem Landhaus und köstlichen Garten, so daß das schwärmerische Persönchen in einer Glücksfülle steckt, die sich ganz wunderlich ausnimmt. Ein widerwärtiger, langbeiniger Ladenjunge schleicht hinter der kleinen Alten her, trägt ein Buch in der Hand, in dem eine Wurstschale als Buchzeichen steckt. Der lange Bengel ist dem Weibchen sehr fatal.

Zu guter Letzt Leute aus einem Roman, »Das Mutterrecht«, Leute, die mir wahrhaft ans Herz gewachsen sind. Laßt es euch sagen, vom alten Kutscher Jermak, wie er über seine Herrin denkt, über ihr Kindchen, wie er von den verlassenen Mädchen spricht, von Gott und der Welt, den Popen, den schwarzen Völkern, und alles zu seinem jungen Herrn im Schlitten, wie er von dem Schandfleck der Familie, der Schwester Jekatherina, spricht.