Welch eine Last liegt auf solch einer Weibesseele. Pflicht und Schaffenswonne. Wie wütet das in solchem armen Herzen!
Wie ist es euch schwer gemacht, ihr armen Weiberseelen, am Besten hier auf Erden teilzunehmen!
Und noch so eine arme Seele ganz andrer Art begegnet mir – Dorothea in »Reines Herzens schuldig«. Sie ist so ganz in Liebe erwacht, in heißer Liebe – und muß in einem Leben verschmachten, das ihr nichts bietet, kein Glück, auch nichts, was an Stelle des Glücks treten könnte.
Als ich diese Gestalt schuf, war ich sehr jung und hoffte, dies Buch würde von guten Menschen gelesen, die sich mit dem Gedanken trügen, wie man den Vernachlässigten, Unglückseligen auf Erden, von deren Dasein die arme Dorothea Zeugnis gibt, helfen könnte.
Und daß es solche gute Menschen gibt, hab' ich zu meiner größten Freude erfahren – und ich sehe nicht ein, weshalb ich nicht ein wenig prahlen soll, weshalb ich nicht ein paar von jenen Briefen und Zeilen hier wiedergeben soll, die mir von bekannten, unbekannten, unberühmten und sehr berühmten Händen geschrieben wurden und wie Freudenboten ins Haus kamen, damit die Leute, die diesen kleinen Lebensabriß lesen, doch auch eine Ahnung bekommen, was für ein glückliches Menschenkind ich bin.
»Berlin … Reichstag.
Männer lesen selten Romane, Männer meines Berufes gar nicht. Ihr ›Reines Herzens schuldig‹ las ich zweimal hintereinander. Die Feder eines Dichters in Herzblut getaucht. Sie sprechen einmal: ›Wenn du den Dichter findest, dem es gelungen ist, das tiefste Leiden versöhnend darzustellen, den halte fest wie einen Freund.‹
Möge Ihnen – in Leben und Kunst – das hohe Ziel zu teil werden: die erhabene Heiterkeit eines Sophokles und eines Mozart!«
Ein andrer Brief:
»Ihre drei neuen Bücher schmücken meinen Weihnachtstisch. Ich habe sie mir selbst beschert, doch als eigenste Gabe von Ihnen. Jedes Wort eines Dichters, das mir seine Seele offenbart, nehme ich dankerfüllt als sein ganz unmittelbares Geschenk entgegen. Nicht viele geben so viel wie Sie. Eines Abends, wenige Tage vor dem Fest, las ich Ihren ›Herzenswahn‹. Ihr übermächtiges Empfinden riß mich fort, Ihr Mut, diese Gefühle auszusprechen, begeisterte mich. Zugleich dachte ich mit Bangen an das Schicksal dieser Bücher; mir war's, als sähe ich sie schutzlos in der Welt umherirren; ich wünschte innigst, daß sie zarte Finger und warme Herzen anträfen. Ich fürchte, auch Ihre Dorothea wird nicht oft verstanden werden; die freie Menschlichkeit hat so wenig Raum in dieser verschnörkelten Welt.«