Ich kam in die Schule, und man sagte mir vorher, daß es unmöglich sein würde, aus der Schule auszureißen. Das war mir schrecklich zu hören.
»Das mag etwas Schönes sein!« dachte ich mir. Der Kindergarten lebte mir in düsterster Erinnerung. Und ich kam in die Schule. Der Lehrer verkündete mir, daß ich ihn »Sie« zu nennen hätte.
Ich hatte noch niemand »Sie« genannt. Ich grübelte nach, weshalb ich dies thun sollte, und vergaß es darüber; ich konnte mich auch in die Schule nicht hineinfinden.
Das Lernen fiel mir schwer, es interessierte mich auch nicht im geringsten. Die Naturgeschichte, oder wie sie in den untersten Klassen benannt wurde, der »Anschauungsunterricht«, machte mir Spaß, da war ich dabei.
Das war aber auch das einzigste, das allereinzigste.
Die biblische Geschichte gefiel mir zwar. Ich liebte es, wenn der Lehrer erzählte; wenn dieselbe Geschichte aber ihren Weg durch die Klasse nahm, überkam mich eine jämmerliche Langeweile, ich hätte weinen mögen. Da kam ich auf einen glücklichen Gedanken: ich stellte mir vor, in unserm Garten in meiner grünen dunklen Ecke zu sitzen, statt auf der Schulbank, stellte mir weiter vor, ein Hase zu sein, der im Grünen in seinem Neste hockt, die Ohren anlegt und in die blaue Luft blinzelt; wenn nun das Erzählen an den Hasen kam, wußte er natürlich nichts, wie es auch einem guten Hasen zukommt, und das erwies sich als sehr übel für seinen Ruf. Es geschahen auch wunderliche Dinge, der arme Hase sollte sagen, aus was der Mensch besteht – und blieb die Antwort schuldig. Da hoben sich die Fingerchen so frech und keck um ihn her in die Höh', ein ganzes Feld, und nickten und schnickten, und die Bravste sagte im schulgemäßen Ton: »Aus Leib und Seele.«
»Aus Leib und Seele,« mußte ich wiederholen und setzte hinzu: »aber die Wassernixen haben keine Seelen,« da lachten alle, und der Lehrer verwies mir solch dummes Zeug.
»Was in Märchenbüchern steht,« sagt er, »ist immer unwahr.«
Ich aber steckte voller Fragen und hätte gern mit dem Lehrer eine längere Unterhaltung angeknüpft. Ich wollte wissen, was die Seele ist, wollte erfahren, woher man weiß, daß man eine hat, wollte wissen, weshalb die Märchengeschichten unwahr und die biblischen wahr sind.
»Was ist denn mit der Seele?« frug ich meine Nachbarin.