Wenn ich eins aufschlug, so klopfte mir das Herz; es sah so unbeschreiblich kraus aus, und die rote Tinte herrschte in erschreckender Weise vor.

Einmal begab es sich, daß die ganze Klasse nachsitzen mußte, und der Lehrer sagte zu mir: »Hör' einmal, ich kann dir's nicht erlassen, du mußt mit dableiben.« Ich beschwor ihn, ich bat ihn, ich küßte seine Hand.

Er sagte aber: »Sei verständig, ich kann nicht anders.« Und so blieb es.

Jede Hoffnung im Leben schien mir zu Ende, ich fühlte mich zerbrochen, fühlte mich nicht fähig, diese Schmach zu tragen, so tausendfach ich sie verdient hatte. Als ich nach Haus kam, stand meine Mutter an der Treppe und reichte mir einen Teller mit Himbeeren entgegen. Sie hatte mich kommen sehen.

Ich konnte nicht gestehen, es war mir unmöglich – ich zitterte; ich hatte noch nie gelogen, noch nie etwas verschwiegen; – aber es ging nicht, ich brachte mein Unglück nicht über die Lippen. Die Güte meiner Mutter rührte mich unbeschreiblich – und ich nahm die Himbeeren, mit denen sie mich so freundlich überraschte, und da ich sie genommen und verzehrt hatte, konnte ich nun erst recht nicht beichten. Ja, hätte ich den Mut vor den Beeren gehabt, aber jetzt, nachdem ich das Gute genossen – das erschien mir abscheulich, trotzdem alles in Angst und Verwirrung geschehen war, ohne daß ich recht wußte wie.

Ich beschloß also, so unmöglich es mir vorkam, die schlimmen Angelegenheiten für immer zu verschweigen.

Das wurde mir bitterschwer, ich litt Tag und Nacht darunter. Ich grämte mich – aber ich konnte nicht reden – ich wurde kränklich – krank und bekam nach einiger Zeit ein Nervenfieber.

Bevor die Krankheit bei mir ausbrach, hatte ich einen Eindruck, der sie beschleunigte und vielleicht herbeiführte. Ich sah einen kleinen Holzschnitt; durch Zufall kam er in meine Hände. Auf diesem Holzschnitt war der Tod als Gerippe abgebildet, wie er durch ein Krankenzimmer schritt. Niemand bemerkte ihn, nur ein kleiner Wachtelhund bellte ihn an.

Dies Bild entsetzte mich so, daß mir die Sinne schwanden; ich fiel bewußtlos zusammen.