»Leider, leider – nein!« rief die alte Dame schmerzlich aus.
Ich aber hatte ein tiefes Mitleid mit diesen guten Heiligen, dachte mir immer, wie schrecklich es sei, daß sie sich bis zu Tode quälen ließen mit der schönen Aussicht, dann in einen wundervollen Himmel zu kommen – und daß sie sich damit vielleicht gar verrechnet hätten – so etwas fürchtete ich sehr, sprach dies aber nicht aus, da die Empfindung in mir lebte, daß man dies für sich behalten müsse.
Ich hatte noch nicht das Ewige, das Unsterbliche in mir gespürt, dasjenige, was wert sei, nie unterzugehen, was andre Leute mit solcher Bestimmtheit in sich vermuten und wissen und mit aller Energie verteidigen. Ich dachte damals nie darüber nach. Wenn ich mich abends niederlegte, sagte ich zu mir: Ob ich nun eine Nacht schlafe und nichts von mir weiß, oder eine Ewigkeit, das bleibt sich gleich.
Damals schrieb ich auf ein Blättchen, das ich mir aufbewahrte: Einen Augenblick bewußtlos – eine Ewigkeit bewußtlos!
Ich habe dies dann später meiner kleinen, überspannten Käthe im »Herzenswahn« in den Mund gelegt – hatte aber meine Lust zum Grübeln mit diesem Worte beruhigt und war völlig zufriedengestellt.
Das hinderte mich aber durchaus nicht, Freude an meinem Religionsunterricht zu finden.
Ich war zu dieser Zeit sehr glücklich, lief abends mit Holzpantoffeln durchs Dorf, die Kinder im Haus, die Mädels in der Nachbarschaft waren mir willkommene Kameraden. Sonntags fuhr ich mit dem Pastor jedesmal früh auf die Filiale, kehrte mit ihm bei Schulmeisters ein und ging mit ihm zur kleinen Kirche. Er hatte dann beim Schulmeister seinen schwarzen Talar schon angezogen und sah sehr würdig und stattlich aus.
Dann saß ich in der kleinen moderigen Kirche und sah die Bauern kommen, indes die Schwalben zwitscherten und an den Fenstern vorüberhuschten. Dann hörte ich meinen Pastor predigen. Die Bauern bekamen manchen kräftigen Brocken von der Kanzel aus zugeworfen, an dem sie, im Fall sie ihn aufhoben, eine Weile kauen sollten.
Wenn wir wieder nach Hause kamen, gab es Schokolade.