Denselben Nachmittag noch rief mich der gute Pastor in sein Studierzimmer.
»Geh nur,« sagte meine gute Freundin, »und wenn du etwas auf dem Herzen hast, sag es ihm – und wenn es das größte Unrecht wäre, verschweigen darfst du's nicht. – Ich möcht' wohl wissen,« setzte sie gedankenvoll und etwas neugierig hinzu, »weshalb du jetzt gerade das Abendmahl nehmen willst?«
In des Pastors Zimmer brannte schon die Studierlampe, und er empfing mich ernst und wohlwollend und feierlich. Er fragte mich, ob ich irgend etwas auf dem Herzen hätte.
»Nein,« sagte ich.
Er fragte dieses und jenes mit sehr ernster Miene.
Ich sagte ihm aber, daß es mir sehr wohl ginge.
Er fragte mich, ob ich mit mir selbst zufrieden sei.
Ich sagte ihm, daß ich nie über mich selbst nachdächte.
Es kam nichts zu Tage, was ihn oder mich beunruhigt hätte, und da sich zu seiner großen Verwunderung durchaus nichts fand, so erteilte er mir nach den Worten der Bibel die Vergebung aller meiner Sünden. Da faßte ich seine beiden Hände, sah ihn an und sagte: »Ich habe ›Tristan und Isolde‹ gehört,« und ich sagte es wohl mit solch einem Ausdruck, daß auch er mir in die Augen sah.
Noch immer hielt ich seine Hände, und die ganze Erregung und Bewegung des vorigen Abends kam über mich.