»Ach, ausgestanden!« erwiderte das Mädchen erregt. – »Da gibt's kein Wort dafür! Wer das mit angesehen hat, den freut nichts mehr.«

Es war das erste Mal, daß sie ihren Thränen freien Lauf ließ, seit sie von daheim fort war.

Das hatte die Musik gethan.

»Wollen Sie lieber nach Hause gehen?« fragte Budang.

»Ach nein,« sagte das zarte Mädchen. »Sie hat's ausgehalten, und ich soll net mal dran denken können? Hier wird's einem, als wär's erst gestern geschehen, – und das ist gut. – Die armen Seelen brauchen unser Mitleid. Sie werden überall zu schnell vergessen.«

Mit den armen Seelen meinte sie natürlich die der Abgeschiedenen.

Röse, die zugehört hatte, überlief ein Schauer. »Die armen Seelen«, das kam ihr so geheimnisvoll vor, so wie aus einem uralten Märchen. Ueberhaupt, obwohl die Waben ein tüchtiges und zuverlässiges Hausmütterchen war, würden sich die Ratsmädel nicht gewundert haben, wenn es sich herausgestellt hätte, daß sie wirklich ein Hausgeist sei, ein armes Seelchen oder sonst so etwas. Sie erschien ihnen immer fremder.

Aber die beiden Schelme fühlten sich nicht durch sie bedrückt und kritisiert. Es war ihnen in ihrer Nähe wohl.

Sie klöppelte für beide Mädchen ganz wundervolle Klosterspitzen nach einem alten Spitzenrest, den sie mitgebracht hatte.

»Ja, weshalb machst du's denn nicht für dich selbst?« fragte Röse.