»Wär' net übel,« war die Antwort.
Die Waben wurde wöchentlich einmal zu Schopenhauers Adele eingeladen und kam so in den Kreis der geistreichen jungen Damen, die alle um einige Jahre älter als die Ratsmädchen waren, und denen die Ratsmädchen ihrer Zeit Liebesbriefchen hin und her getragen hatten, die sie aber alle in ihrem Leichtsinn erst unten auf der dunklen Wittumstreppe indiskreterweise gelesen hatten. Das heißt, Liebesbriefe waren es auch im eigentlichen Sinne des Wortes nicht, sondern vielmehr sprachen die jungen Damen sich gegenseitig über den Zustand ihres Herzens in langen Episteln aus und machten den Ratsmädeln damit, ohne es zu wollen, das größte Gaudium; denn sie dachten nicht entfernt an die Treulosigkeit der beiden Schelme.
Bei Adele Schopenhauer waren wöchentliche Zusammenkünfte dieser jungen Damen und einiger schöngeistiger Jünglinge; die Waben war nur durch die größten Ueberredungskünste ihrer Schwestern dahin zu bringen, Adeles Kränzchen zu besuchen.
Nach einigen Wochen schien sie freilich recht gern zu gehen. Die langen Zuredereien und das Drängen hörte von selbst auf. Sie ging still und kam still, sprach über nichts, was sie dort in der Gesellschaft erfahren hatte, – aber es schien etwas Lebendigeres in ihr Wesen gekommen zu sein. In dieser Zeit war es zum erstenmal, daß sie bei Rats ein silberhelles, junges Lachen hörten. Und die Mutter meinte: »Laßt sie – fragt nicht!«
Sie war so reizend, so elfenhaft und so liebenswürdig diensteifrig.
Frau Rat sagte: »Was ist die Waben für ein süßes Kind; wie ein Sonnenstrahl, so still und gut!«
Frau Rat hatte sie ganz besonders ins Herz geschlossen.
Ja, die Waben war viel heiterer. Es schien, als wäre aus dem jungen, pflichttreuen Nönnchen ein junges Mädchen geworden. Sie blühte wahrhaft auf und wurde jeden Tag reizender. Man hörte sie die Treppen hinauf- und hinablaufen. Sie ging nicht mehr so krankenwärterinmäßig, und Röse und Marie hörten sie einmal singen, als sie sich das Haar machte.
Sie lauschten an der Thür; es klang ihnen beiden, wie dazumal, als ihre Lerche, die sie zu Weihnacht bekommen hatten, zum erstenmal im März ganz unvermutet im dunklen Bauer die ersten leisen Töne hören ließ.