Das Herz war ihnen bei diesen wunderbaren Lerchentrillern, die aus der dunklen Ecke kamen, erbebt.
Alle im Hause freuten sich, daß Waben auflebte.
So war sie auch einmal wieder ganz wohlgemut zu Schopenhauers gegangen, und spät abends bei Mondenschein und Winterkälte wandelte sie über hartgefrorenen Schnee am Arm eines jungen Mannes, der sie von Schopenhauers heimbegleitete, die alte Wittumstreppe hinab, die von der Esplanade zur inneren Stadt führt.
Der junge Mann hatte ihr den Arm geboten. Er hatte das schon öfter so gethan; es war ihm zu einer angenehmen Gewohnheit geworden, das liebliche Geschöpf heimzubegleiten. Sie hatten keinen besonders weiten Weg vor sich, aber sie verstanden ihn auszunützen. Die Waben hatte noch nie so viel hintereinander geplaudert, als auf der kurzen Strecke, die zwischen ihrem elterlichen Hause und dem Hause der Schopenhauern lag, – und der junge Mann war ein sehr aufmerksamer Zuhörer. Bei dem hellen Mondlichte war zu konstatieren, daß die Waben einen durchaus nicht ungefährlichen Begleiter hatte: hochgewachsen, schlank, mit einem prächtigen Kopf, groß geschnittenen Zügen, reichen, dunklen Locken; dabei vornehm in Gang und Haltung, liebenswürdig und galant in der Art, wie er mit dem kleinen Persönchen sprach, sich zu ihr neigte und ihr Geplauder anhörte.
Sie gefiel ihm, das war kein Zweifel.
»Demoiselle Barbara, wie kann man nur so ein Nixchen sein! Ich fühle Ihren Arm nicht mehr als eine Feder.«
»Ja, es ist dumm,« sagte Waben, »ich bin ein bisserl klein; aber da ist nun nichts zu machen.«
»Ein Mädchen kann gar nicht klein und zart und süß genug sein,« erwiderte er.
»Das find' ich net,« meinte sie. »Man soll vor einem Mädel doch Respekt haben, und sie soll ordentlich arbeiten können. Ich bin freilich viel stärker, als ich ausseh', gottlob! Sonst könnt' ich mir das Salz zum Brot net verdienen.«