So verabschiedete sich die Gesellschaft mit tausend Dank und dem Versprechen, sehr bald zurückzukehren, von ihren Wirten und zog mit dem gepackten Pferdchen den Ettersberg hinab, Weimar zu, einem neuen Genusse entgegen. —

Frau Rat empfing ihre Kinder auf das liebevollste und zärtlichste, ging gern auf ihren Theaterplan ein, hatte dies und das an ihren Fähnchen auszubessern, denn so ein paar übermütige Tage nehmen den Sommerstaat ausgelassener Mädchen stark mit, und Frau Rat wollte, wenn die Kinder auch auf Hintertreppen und Schleichwegen ins Theater gelangten, daß sie ihr, wenn sie glücklich darin säßen, wenigstens keine Schande machten.

Sei Du gepriesen, Frau Rat!

Es soll Dich niemand schelten, der sich klüger dünkt und in rechtlichen Dingen korrekter zu denken gewohnt ist, als Du!

Budang und Franz holten die Mädchen ab, und die Mutter ermahnte noch zur Vorsicht, wegen des Erwischtwerdens.

„Da seien Sie außer Sorge, Frau Rat,“ sagte Budang, einigermaßen in seiner Ehre gekränkt. „Wenn die Mädchen mit uns sind, geschieht ihnen nichts. Wir haben sie noch jedes Mal durchgebracht.“

Und es ging auch diesmal vortrefflich. Flöten-Lobe hatte die Thüren aufgelassen, die zum Einschlüpfen erforderlich waren, und bald standen sie in dem heiligen Raume, zuerst sehr bescheiden in einem Eckchen; aber schon mit dem Vorhaben, sobald es thunlich, ein paar recht gute Plätze zu erwischen.

„Da ist er schon,“ sagte Franz Horny und blickte nach Goethes kleiner, düsteren Loge, unter der herzoglichen. Dort in der Dämmerung saß er.

Der Vorhang ging auf, und Schönheit, Reinheit und Vollendung strömte über die Seelen hin. Weihe umhüllte alle, andächtiges Schweigen erfüllte den Raum, und die Herzen der Schauenden schlugen in erhöhtem Leben. Die ernste Gestalt in der kleinen, dämmerigen Loge verschwand zu Zeiten, war dann wieder gegenwärtig. Welch ein Abend war dies, welch ein Empfinden, den Schöpfer solcher Größe, solcher Schönheit nahe zu wissen! Über unsere guten Freunde war alles Große, was sie hörten, erhebend, mächtig gekommen.

Sie waren alle verschönt und gaben ein Bild beseligter Jugend ab. Sie sprachen kein Wort, aber sie hatten das einige Gefühl, daß sie miteinander genossen und das Vertrauen zu einander, daß jeder verstand und jeder entrückt war.