„Freilich,“ sagte die Kummerfelden lebhaft, „und die Hemden haben alle Zwickel, alles regelrecht.“
Jetzt packte Frau Fabian die Puppen aus. „Na nu, seht eins an, wer ist denn die?“
Sie hielt ein Püppchen in die Höhe, das ein rosa Kleid, dabei aber ganz zerrissene Strümpfe an hatte.
„Das ist ja die … na, Ihr wißt schon, das Mädchen hat ewig zerrissene Strümpfe an. Die Löcher gucken ihr über den Rand von ihren Schuhen, wie hier genau zu sehen ist. So eine Frau bringt Unglück ins Haus und wenn sie so schön wie ein Engel wäre und klug wie eine Schlange.“
„Und die Lange, mit der kleinen Feder in der Hand?“ fragte Jungfer Muskulus bescheiden.
„Das ist die Schopenhauern, die Adele,“ fuhr Frau Fabian sie an, „das sieht doch jeder klar. Mit der hat’s keine Gefahr nicht. Häßlichkeit entstellet immer, selbst das schönste Frauenzimmer. Mein Schatz wär se nich, die Schopenhauern. Na, nu die beiden Madams?“ Sie hielt zwei Püppchen in der Hand. „Das sind zwei verehelichte; wie das die Rackersmädchen herausgekriegt haben! Das ist die Madame so und so und das die Madame die und die. Wir kennen Euch! Wir wissen Gott Lob, wer Ihr sein sollt.“ Währenddem sie sprach, hielt sie beide Figürchen sich selbst nahe hin und redete so auf sie ein und drohte ihnen mit dem Zeigefinger. „Und die is wohl die rechte Braut, wie sie im Märchen sagen.“
Sie hob ein Püppchen in die Höhe, das, in einer weißen Schürze und mit einem Kochlöffel in der Hand, ein hausmütterliches Aussehen hatte.
„So ist’s,“ sagte die Kummerfelden. „Und nun, Fabian, wenn Du es wissen willst, nachher mußt Du die Verse dazu machen; Du mußt sagen, wen jedes Püppchen vorstellen soll, und wie es sich mit jeder verhält.“
„Gott soll mich bewahren!“ fuhr die große Frau auf, „das ist aber ene Zumutung. Verse, die sich gewissermaßen den goethischen müssen an die Seite stellen lassen, so beim Kaffee ’rauszuschütteln, wo die ganze Stube, mit Respekt zu sagen, voll weimarischer Gärmichel sitzt, — ich danke — und das sag’ ich, wenn ich darauf einginge, was Schlechtes dürfte Excellenz schon gar nicht kriegen, was sollte der denn von der Fabian denken?“
„Du darfst ’nauf in meine Stube gehen,“ sagte die Kummerfelden, „da setz’ Dich auf den Lehnstuhl vors Bette und bleib ruhig sitzen. Aber Du wirtschaftest mir dort nirgends herum, nicht wahr? Das kann ich nicht leiden. Weißt Du was, gehe nur gleich ’nauf. Bleistift und Papier liegen schon auf der Bettdecke. Du wirst schon was ’rauskriegen, ich weiß ja, wie Dir’s fleckt. Die Ratsmädchen werden auch gleich da sein; die freuen sich, wenn Du schon dabei sitzest. Proviant bekommst Du mit hinauf. Und wenn die Not groß ist, kriegst Du, na, Du weißt schon,“ die Kummerfelden zeigte auf ein Schränkchen, in dem sie ihr Schönheitswasser in Flaschen aufbewahrte. Aber nicht lauter Schönheitswasser allein.