Die Stadtverordneten, die Schützengilden, die Feuerwehr, die Innungen, die Schulen hatten die Bestimmung getroffen, daß die weißgekleideten Mädchen mit offenem Haar und in Kränzen den Fürsten begrüßen sollten. Die Ratsmädchen, weil sie so gut zu einander paßten und so hübsch nebeneinander aussahen, sollten ganz vornan stehen. Und Röse war das Amt überkommen, einen wunderschönen Lorbeerkranz Karl August gerad auf den Degengriff zu werfen, oder doch wenigstens auf sein Pferd, wenn es ihr mit dem Degen zu schwer würde.

Es war eine außerordentliche Ehre für sie, das sah sie selbst ein und that sich etwas zu gute darauf. Das Wetter am Einzugstage war schön und klar, die Luft kräftig und frisch, die Fahnen wehten in der Sonne, vom Winde bewegt. Es duftete nach Tannen und Grün von allen Häusern herab, vor jeder Thür. Musikbanden zogen durch die Gassen nach den verschiedenen Versammlungsorten des Einholungszuges. Es pfiff, trommelte, schrie, schimpfte, lachte, sang auf allen Straßen, daß es eine wahre Freude war. Die weißgekleideten Mädchen versammelten sich wie Züge weißer Tauben in der Esplanade. Die frische, sonnige Luft schien, wie sie die Fahnen regte, auch die Gemüter munter zu bewegen. Man war so lustig, so ganz feiertäglich und erwartungsvoll gestimmt.

Die Mädchen kletterten auf ihre Estrade, der Wind wehte in blondem, braunem Haar, in weißen, duftigen Falten, wehte über der hübschen Schar hin, wie über ein blühendes Feld, etwa wie über ein Mohnfeld, das in weißen, rosigen Farbentönen steht.

Alle Glocken begannen zu läuten, voll und schön. Die weimarischen Glocken sind von einem seltenen Wohlklang. Die eine haben sie im Dreißigjährigen Kriege gestohlen, von irgendwo ganz Besonderem her. Freudenschüsse klangen dumpf dazwischen. Da näherte sich der Zug. Den Mädchen auf der Estrade klopfte das Herz, denn der Augenblick war sehr feierlich.

Die Musik erklang, so eine recht herzhafte Musik.

Und als Karl August auf seinem Pferde von ferne zu sehen war, da reckten sich alle Hälse. „Du, Marie,“ rief Röse, „da reitet ja der Ottokar Thon neben ihm, — gucke, gucke! Marie, sieh doch!“ rief Röse, ganz bewegt von allem Festjubel, „das ist er! Du kannst Dich darauf verlassen. Er ist jetzt Adjutant, das muß er sein. Den haben wir aber in Jahren nicht gesehen! Er soll ja ganz etwas Besonderes geworden sein, ist Lützowscher Jäger, — Du weißt doch?“ —

„Ja, ja,“ sagte die Schwester etwas gedankenlos.

„Höre, Marie,“ rief Röse wieder, als die beiden Reiter herangekommen waren, „ich werfe dem Adjutanten meinen Kranz zu, das sollst Du sehen.“

„Du bist verrückt,“ sagte Marie, „da könntest Du in eine schöne Bredouille kommen — der Lorbeer ist für den Herzog.“

„I gar,“ sagte Röse.