Da ritt der Herzog eben der Estrade zu, und die Mädchen jubelten hoch auf, und der ganze Zug jubelte, und aus allen Fenstern ringsumher schrieen und riefen sie. Der Wind wehte Rösen und Marien das lange Haar, das sie so einhüllte, daß man nur ein Streifchen ihrer weißen Kleider sah, wie goldene Fahnen über die Schultern, dem Herzog entgegen, ganz, als hätte es sich der Wind so ausgedacht.
Das mochte ein sonderbar hübscher Anblick sein; denn Karl August schaute lächelnd und nickte zu den Mädchen hinauf, hielt sein Pferd an und sprach ein paar Worte zu seinem Adjutanten.
In dem Augenblick flog Rösens Lorbeerkranz auf Karl August zu und richtig, verfehlte ihn, weil ihr die Haarsträhnen über das Gesicht geflogen waren, daß sie nicht recht sehen konnte, und der Kranz blieb an dem Degenknauf des jungen Adjutanten hängen.
Da lächelte Karl August noch einmal, und als der junge Offizier den Kranz loslösen wollte, um ihn dem zu überreichen, dem er bestimmt war, da machte der Herzog eine Bewegung, die zu bedeuten schien: „Da, wo er ankam, laßt ihn nur.“
Der Adjutant war augenscheinlich verwirrt und wußte nicht, was er mit dem Kranze anfangen sollte; seine Blicke trafen die Spenderin der schönen Ehre. Er lächelte ihr zu und schaute sie an — und erkannte sie, die er, als sie ein kleines Mädchen war, in der Wünschengasse oft gesehen hatte.
Seine Eltern hatten Rats eine Zeit lang gegenüber gewohnt, und er erinnerte sich Rösens und Mariens wieder.
„Herrjeh,“ sagte Röse ganz glücklich. „Nun seht nur, jetzt reitet er mit meinem Kranz davon. Das war ja wirklich Ottokar Thon!“
„Na freilich,“ bestätigte Marie.
„Und wie er aussah! — nein, wie er aussah! — Früher haben wir ihn gar nicht groß angesehen, ich glaube, nicht einmal gegrüßt. Hast Du bemerkt, wie er rot wurde, als der Kranz auf ihn fiel; das hat er sich nicht träumen lassen, daß er so einen großen Lorbeer bekommen würde. Und hast Du auch gesehen, Karl August hat ihm den Kranz geschenkt!“
„Ja, ja!“ sagte Marie ganz lustig. „Du hast gut getroffen!“