„O meine vielgeliebte Machteld,“ rief er, „erkenne mich doch, ich bin Dein Vater Robrecht, den Du so lieb hast, der sich so sehr in der Gefangenschaft um Dich gegrämt hat. Himmel! Du stößt mich von Deiner Brust!“

Mit einem wilden Lachen entgegnete das Mägdelein:

„Jetzt bebt Ihr, ehrloser Räuber. Nun packt Euch das Bangen des Bösewichts. Aber für Euch gibt es keine Gnade. Der Löwe, mein Vater, wird mich rächen, und Ihr werdet nicht ungestraft das gräfliche Blut von Flandern gekränkt haben. Still!… Ich höre das Gebrüll des Löwen … Mein Vater naht – horch! Die Erde dröhnt unter seinen Schritten. Für mich einen Kuß, für Euch den Tod!“

Jedes Wort drang wie ein Pfeil in das Herz des Ritters. Alle Qualen der Hölle durchtobten sein Inneres, und unaussprechliche Betrübnis ergriff ihn; heiße Tränen rannen über seine gefurchten Wangen, und voll Verzweiflung schlug er sich an die Brust.

„So erkenne mich doch, armes Kind,“ rief er, „bring' mich nicht um, lache nicht so bitter; Deine Blicke geben mir den Tod. Ich bin der Löwe, den Du liebst, der Vater, den Du rufst.“

„Ihr der Löwe?“ antwortete Machteld mit Verachtung, „Ihr der Löwe? O Lästerer! Nein, der Löwe spricht vlaemisch! Höre ich etwa nicht, daß Ihr die Sprache der Königin Johanna redet? Die Sprache, die schmeichelt und verrät? Auch der Löwe ist fort – man sagt ihm, komm! – und eine Kette … ein Kerker – ein goldenes Gefäß und Gift. O Frankreich! Frankreich! sein Blut!… und auch ich – ich, sein Kind! Aber Ihr bedenkt nicht, daß das Grab eine Zuflucht bietet. Bei Gott im Himmel kann eine Seele nicht mehr entehrt werden!“

Der Ritter konnte seiner Verzweiflung nicht Herr werden; er umarmte sie nochmals und rief:

„Hörst Du denn nicht, mein Kind, daß ich die Sprache unserer Väter spreche? Was für ein bitteres Leid hat Dich gefoltert, daß sich Dein Geist verwirrte? Erinnere Dich, daß unser Freund, Herr Adolf van Nieuwland, mich befreien wollte, und nenne mich nicht mehr Verräter und Bösewicht, denn Deine Worte durchbohren mein Herz!“

Bei Adolfs Namen wurden die krampfhaften Züge Machtelds leichter. Ein sanftes Lächeln verscheuchte den schmerzlichen Ausdruck ihres Angesichts, und sie antwortete mit ruhiger Stimme: