„Adolf habt Ihr gesagt? Adolf ist fort, um den Löwen zu holen. Habt Ihr ihn gesehen? Er hat Euch von der unglücklichen Machteld erzählt, nicht wahr? O ja, er ist mein Bruder! Er hat ein Gedicht für mich gemacht … Still! Ich höre die Klänge seiner Harfe … Welch schönes Lied! Aber was ist das?… Ja, mein Vater kommt; ich sehe schon einen Strahl … ein heiliges Licht … weg, Ehrloser!“
Nun gingen ihre Worte in dumpfe Laute über, und ihre Rede wurde unverständlich. Ein schwermütiger Ausdruck verdüsterte ihre Züge.
Der Ritter erschrak bei diesen drohenden Blicken. In seiner argen Pein wußte er nicht, was tun, und fühlte, daß ihm der Mut schwand. Ohne zu sprechen, faßte er die Hand seines kranken Kindes und benetzte sie mit Tränen der Liebe und des Schmerzes; doch sie riß schnell die Hand aus der seinen und rief:
„Diese Hand ist nicht für einen Franzosen! Ein falscher Ritter, ein Räuber, wie Ihr, darf sie nicht berühren. Eure Tränen sind Flecken, die der Löwe mit Blut tilgen wird. Erschreckt, Schlange! Bebt, denn der Augenblick naht! Seht Ihr dies Blut auf meinem Gewande? Das ist auch französisches Blut – wie schwarz!“
Der Ritter konnte diese Folterqualen nicht mehr ertragen. Flehentlich fiel er vor der Jungfrau nieder und schluchzte:
„Um der Liebe des Herrn willen, meine unglückliche Machteld, weise die Liebe Deines Vaters nicht länger von Dir. Laß meine traurige Reise nicht vergebens sein. Kannst Du meine Tränen so gleichgültig anschauen, hat Deine teure Stimme nicht ein einzig tröstendes Wort für mich? Soll ich denn vor Schmerz zu Deinen Füßen sterben?“
Die Jungfrau sah ihn mit Abscheu an.
„Ein Wort!“ fuhr der Ritter fort; „nenne mich Deinen Vater, stoße ihn nicht mehr von Dir. Ach, wüßtest Du, mein unglückliches Kind, welche Schmerzen mir Deine Verachtung verursacht, könntest Du doch die Angst Deines Vaters sehen! Aber nein, Du bist außer Dir, die Verfolgung der Franzosen hat Deinen Geist verwirrt! O Jammer!“
Er wollte sein unglückliches Kind in die Arme schließen, doch sie erschrak bei diesem Versuch und rief heftig mit gellender Stimme:
„Hinweg! Streckt Eure Arme nicht so nach mir aus! Es sind Schlangen, die das Gift der Schande in sich tragen. Ha! Berührt mich nicht, haltet ein, Bösewicht! Hilfe! Hilfe!“