„Herr van Gistel“, bemerkte lächelnd der Kanzler, „scheint seine Landsleute nicht sehr in sein Herz geschlossen zu haben; würde man auf ihn hören, so würde morgen keine lebende Seele mehr in Brügge sein.“
„Wirklich, meine Herren,“ fuhr Gistel fort, „nur die Liebe zu meinem König gibt mir diese Worte ein. Ich wiederhole, der Tod der Aufwiegler allein kann die Flammen des Aufruhrs in unserer Stadt löschen. Ich habe mir die Namen der hartnäckigsten Klauwaerts gemerkt; solange die Meuterer frei in Brügge umhergehen können, ist Ruhe ausgeschlossen.“
„Wieviel sind es?“ fragte Châtillon.
„Etwa vierzig,“ antwortete er kalt.
„Wie?“ rief Montenay entrüstet, „Ihr wollt vierzig Bürger hängen lassen? Diese hier haben solch grausame Strafe nicht verdient, aber wohl die Aufrührer, die sich in Damm befinden. Die Rädelsführer De Coninck und Breydel mit ihren Anhängern, diese haben sich des Todes schuldig gemacht, aber nicht diese schwachen Bürger, die Ihr aus persönlicher Rache gehängt sehen möchtet.“
„Herr von Montenay,“ bemerkte Châtillon, „Ihr habt mich benachrichtigt, daß sie Euren Söldnern kein Essen mehr verkaufen wollen; ist das nicht genug?“
„Es ist wahr, Herr Landvogt, sie haben das unberechtigterweise verweigert; es war ihre Untertanenpflicht zu gehorchen. Aber meine Söldner haben auch in sechs Monaten keine Bezahlung erhalten, und die Vlaemen wollen nur gegen bares Geld verkaufen. Ich würde es in der Tat bedauern, wenn meine Meldung so beklagenswerte Folgen hätte.“
„Diese Rücksicht kann Frankreichs Krone großen Schaden tun,“ meinte Gistel. „Es wundert mich, daß Herr von Montenay die aufrührerischen Brügger verteidigt!“
Montenay wurde sehr zornig über diesen Vorwurf; denn Gistel hatte seine Worte in sehr verletzender Form geäußert. Der edelmütige Stadtvogt betrachtete den Leliaert mit Verachtung und antwortete: