Er schlug mit dem Holz gewaltig vor die Luke, doch sie blieb fest und rührte sich nicht. Ein Wehelaut tönte vom Boden her, so schmerzlich, als ob jemand sein Leben ausgehaucht hätte.
„Ha, ha,“ riefen die Söldner, „sie liegen auf der Luke!“
„Wartet,“ meinte ein anderer, „ich werde sie bald wegjagen; wollt ihr mir etwas helfen?“
Nun nahmen sie einen schweren Balken, hoben ihn zusammen auf und stießen ihn dann mit solcher Gewalt gegen die Luke, daß die Bretter davon losbrachen und herabfielen. Mit tobendem Geschrei legten sie rasch die Leiter an und stürmten alle nach oben. Hier blieben sie plötzlich stehen; es schien, daß ihre Herzen weicher wurden, denn die Flüche erstarben auf ihren Lippen, und sie blickten sich unschlüssig an. Im Hintergrund des Bodens stand ein Knabe, nicht über vierzehn Jahre alt, mit einem Schlachtbeil in der Hand; bleich vor Angst und bebend hielt er die Waffe wider die Franzosen erhoben, ohne einen Laut von sich zu geben. Aus seinen blauen Augen schossen Strahlen von Verzweiflung und Heldenmut. Er war sichtlich von heftiger Bewegung ergriffen; denn die Muskeln seiner zarten Wangen zogen sich zusammen und verliehen ihm einen furchtbaren Ausdruck. Er glich im kleinen einer griechischen Statue. Hinter dem jungen Fleischer knieten zwei Frauen: Eine alte Mutter mit gefalteten Händen und zum Himmel erhobenen Augen, und eine zarte Jungfrau mit aufgelöstem Haar. Das geängstigte Mägdelein hatte sein Gesicht in den Kleidern seiner Mutter verborgen und hielt sie wie in Todesangst umschlungen. In dieser Haltung saßen sie regungslos. Kein Seufzer, keine Klage kam über ihre Lippen.
Als sich die Söldner von ihrem ersten Erstaunen erholt hatten, nahten sie sich den Unglücklichen ungestüm und ergingen sich in Scheltworten gegen sie. Just wollten sie Hand an sie legen, denn das Kind flößte ihnen nicht die mindeste Furcht ein. Aber wie packte sie der Zorn, als der junge Fleischer den linken Fuß zurücksetzte und sein Beil verzweifelt schwang. Sie stutzten, einen Augenblick wurden sie in ihren schändlichen Plänen gehemmt. Dann wollte einer von ihnen das Kind durchbohren, aber der Knabe wehrte den Degen ab und hieb mit verzweifelter Kraft seinem Feind in die Schulter, so daß dieser wankend seinen Genossen in die Arme fiel. Als hätte dieser Schlag des Kindes Kraft erschöpft, stürzte es rücklings zu Boden und blieb regungslos neben den Frauen liegen.
Die Söldner hatten sich um ihren verwundeten Genossen versammelt, und entkleideten ihn unter Rachegeschrei und Verwünschungen. Derweile weinte die alte Frau in größter Angst und flehte um Gnade.
„O, ihr Herren!“ rief sie und streckte die Arme aus, „habt doch Mitleid mit uns Unglücklichen! Mordet uns nicht, um der Liebe des Herrn willen! Seht doch meine Tränen und erbarmt euch unserer Leiden. Was nützt euch der Tod von zwei wehrlosen Frauen?“
„Es ist die Mutter des Fleischers, der so viele Franzosen zu Male ermordet hat,“ rief einer der Söldner; „sie muß sterben!“
„O nein, nein, mein Herr!“ erwiderte die alte Frau, „taucht eure Hände nicht in mein Blut, ich bitte euch beim bitteren Leiden unseres Erlösers, laßt uns das Leben! Nehmt alles, was wir besitzen.“
„Heraus mit eurem Geld!“ rief eine Stimme.