„Meine Gebieterin,“ antwortete Breydel, „wir machen Goedendags, die das Vaterland und den Löwen, unseren Herrn, befreien sollen. Ich habe gewaltige Freude an dieser Arbeit, denn es kommt mir vor, als wenn auf der Spitze eines jeden Goedendags, den wir herstellen, bereits ein Franzose steckt. Verwundert Euch nicht, durchlauchtige Gräfin, wenn ich so zornig in diese Bäume haue; mir ist dabei, als hiebe ich auf den Feind ein, und dieser Rachetraum läßt meine Hand nicht matt werden.“

Machteld bewunderte den jungen Mann, dessen Blicke all sein Heldenfeuer verrieten, dessen Gesicht, wie das einer griechischen Gottheit, den Ausdruck der zartesten und wildesten Leidenschaften vereinte. Mit Wohlgefallen betrachtete sie diese Augen, darin männlicher Stolz unter den langen Wimpern hervorstrahlte, die sanften Züge, die als der Spiegel einer edeln Seele in hingebender Aufopferung und Vaterlandsliebe erglänzten. Mit wohlwollendem Lächeln meinte sie:

„Meister Breydel, Eure Gesellschaft wäre mir sehr angenehm: wollet uns bitte folgen.“

Jan Breydel warf das Beil weg, strich die blonden Locken zurück, setzte seine Mütze anmutiger auf den Kopf und folgte der Jungfrau voll Stolz. Machteld sagte leise zu De Coninck:

„Wenn mein Vater tausend so treuer, unerschrockener Untertanen in seinem Dienste hätte, so würden die Franzosen nicht lange in Flandern bleiben.“

„Vlaemen wie Breydel gibt es nur einen,“ antwortete De Coninck. „Die Natur vereint selten einen so feurigen Geist mit einem so kräftigen Körper, und das ist eine weise Fügung Gottes; denn sonst würden die Menschen in ihrem Kraftgefühl zu stolz werden, gleich den Riesen des Altertums, die den Himmel erstürmen wollten …“

Er wollte in seiner Rede fortfahren, aber eine Wache mit Schild und Schwert kam atemlos zu ihnen gelaufen und meldete Breydel:

„Meister, meine Genossen von der Lagerwache haben mich geschickt, um Euch zu benachrichtigen, daß man vor dem Tor unserer Stadt Brügge eine dichte Staubwolke von dem Wege emporsteigen sieht und ein brausendes Tosen wie von einem Heere vernehmbar ist. Der Zug verläßt die Stadt und kommt auf unseren Lagerplatz zu.“

„Zu den Waffen! Zu den Waffen!“ rief Breydel so kraftvoll, daß es alle hörten. „Jeder in seine Abteilung; rasch!“