„Jan van Gistel soll sterben! Er muß für den Tod von De Conincks altem Freunde Rechenschaft abgeben. Aber er soll auch der einzige sein.“

„So sollen die anderen Abtrünnigen unbestraft bleiben? Seht, Meister, solch Gedanke tut mir weh, das kann ich nicht übers Herz bringen.“

„Ihre Strafe wird groß genug sein – Schmach und Verachtung wird ihnen zuteil; wir werden sie höhnen und schmähen. Sagt doch, Martin, macht Euch nicht der Gedanke beben, daß Euch jeder ins Gesicht speien, Euch sagen dürfte: Ihr seid ein Abtrünniger, ein Feigling, ein Landesverräter? Das soll ihnen widerfahren.“

„Wirklich, Meister, bei Euren Worten geht mir ein kalter Schauer über den Leib! Welch furchtbare Strafe, tausendmal härter fürwahr als der Tod. Welche Hölle für sie, wenn sie ein vlaemisches Herz besäßen!“

Sie schwiegen einige Augenblicke, da sie von ferne etwas wie Menschenschritte hörten, doch das Geräusch entschwand bald; alsdann fuhr Breydel fort:

„Die schändlichen Franzosen haben meine alte Mutter ermordet. Ich habe mich davon überzeugt: ein feindlicher Degen hat das Herz durchbohrt, das mich so innig liebte. Sie empfanden kein Mitleid mit ihr, weil sie einen unbeugsamen Vlaemen geboren hatte; aber nun werde auch ich kein Mitleid mit ihnen haben und zugleich mein Blut und das Vaterland rächen.“

„Geben wir auch Gnade, Meister? Machen wir auch Gefangene?“

„Unglück über mich, wenn ich jemand gefangen nehme oder ihm das Leben schenke! Geben sie etwa Gnade? Nein, sie schöpfen Mut aus dem Morden, zerstampfen die Leichen unserer Brüder unter den Hufen ihrer Rosse. Und glaubt Ihr, Martin: nun, da der blutige Schatten meiner lieben Mutter mir stets vor Augen schwebt, könnte ich einen Franzosen sehen, ohne in Raserei zu kommen? O, mit den Händen würde ich sie zerfetzen, mit den Zähnen zerfleischen, wenn mein Beil durch die vielen Schlachtopfer stumpf würde. Aber das kann nicht sein, meine Waffe war mir schon seit langem ein treuer Begleiter.“

„Hört, Meister, das Geräusch auf dem Wege von Damm nimmt zu! Wartet ein wenig!“

Er legte sich mit dem Ohr zur Erde nieder, richtete sich dann auf und sprach: