„Meister, die Weber sind nicht mehr weit, nur mehr vier Bogenschüsse.“

„So kommt denn, stehen wir auf! Geht still die Rotten entlang und heißt sie liegen bleiben. Ich gehe De Coninck entgegen, damit er weiß, nach welcher Seite er seine Leute aufstellen kann.“

Einige Augenblicke später kamen viertausend Weber von verschiedenen Seiten in das Gehölz und legten sich, wie ihnen befohlen war, schweigend auf den Boden nieder. Die Stille wurde durch ihre Ankunft kaum gestört, und bald war kein Laut mehr zu vernehmen. Nur einige Leute konnte man von einer Schar zur anderen gehen sehen; sie überbrachten den Anführern den Befehl, sich zur Ostseite des Busches zu begeben. Als sie dort zahlreich versammelt waren, scharten sie sich um De Coninck, um seine Befehle in Empfang zu nehmen. Der hub an:

„Brüder, heute muß die Sonne unsere Freiheit oder unseren Tod bestrahlen; kämpft zaglos, wie es euch die Liebe zum Vaterland lehrt; bedenket wohl, daß ihr für die Stadt, da die Gebeine eurer Väter ruhen, für die Stadt, da eure Wiege stand, streiten müßt. Gebt niemand Gnade; tötet alle Franzosen, die euch in die Hände fallen, laßt auch nicht einen Strunk dieses fremden Unkrautes übrig. Wir oder sie müssen sterben! Ist jemand unter euch, der noch Mitleid für die Leute empfindet, die unsere Brüder erbarmungslos erhängt oder erschlagen haben, für diese Verräter, die unseren Grafen gefangengenommen, sein Kind vergiftet haben?“

Ein Gemurmel glitt unter dem Laubdach der Bäume dahin, so düster und rachegierig, daß dieser Ton allein schon das Herz mit Bangen erfüllen konnte.

„Sie sollen des Todes sterben!“ gaben die Anführer zur Antwort.

„Wohlan,“ fuhr De Coninck fort, „noch heute werden wir frei sein; aber wir werden noch größeren Mutes bedürfen, um unsere Freiheit zu bewahren; denn ohne Zweifel wird der französische König mit einem neuen Heere nach Flandern kommen.“

„Um so besser,“ fiel ihm Breydel ins Wort, „dann werden noch mehr Kinder um ihre Väter weinen müssen, wie ich meine arme Mutter beweine. Gott habe sie selig!“

Breydel hatte De Coninck unterbrochen. Der fürchtete, die Zeit, um ihnen die nötigen Anweisungen zu geben, könnte zu kurz werden, und fuhr fort:

„Hört zu, was ihr zu tun habt: sobald die Glocke von Saint-Kruis drei schlägt, laßt eure Leute aufstehen, sich gliedern und auf die Stadt zurücken. Ich werde mich mit einigen Gesellen an die Stadtmauern begeben; und wird gleich danach das Tor durch die Klauwaerts geöffnet, die ich in der Stadt gelassen habe, so ziehet schweigend in die Stadt ein und nehmt folgende Richtung: Meister Breydel mit den Fleischern wird das Speitor besetzen und sich dann mit seinen Leuten in alle Straßen nächst der Snaggaartsbrücke verteilen. Meister Lindens, Ihr nehmt das Kathelinentor und schickt Eure Leute in alle Straßen bei der Frauenkirche. Die Zunft der Gerber und Schuster soll das Genter Tor bis an den Stein und die Burg besetzen; die anderen Zünfte unter dem Obmann der Maurer sollen das Dammtor nehmen und sich im Umkreis der Saint-Donatuskirche ausbreiten; ich mit meinen zweitausend Leuten werde mich zum Boverietor begeben, und meine Gesellen werden das ganze Viertel von dort bis ans Eselstor und den großen Markt einkreisen. Habt ihr solcherart die Wachen der Tore überfallen, so bleibt möglichst still in den Straßen stehen; denn wir wollen die Franzosen erst wecken, wenn alles bereit ist. Merket wohl! Sobald ihr den vaterländischen Ruf hört: Flandern der Löwe! ruft ihn alle mit; der soll als Zeichen dienen, und ihr könnt euch dadurch in der Finsternis wiedererkennen. Stürmt dann die Türen der Häuser ein, wo die Franzosen untergebracht sind, und macht alles nieder.“