„Was sollen wir tun,“ fragte Gwijde, „wie sollen wir jetzt das Vaterland retten?“
Einige waren der Meinung, man müsse sich in der Stadt Brügge einschließen, bis das französische Heer aus Mangel an Lebensmitteln abziehen würde; andere wieder wollten gerade dem Feinde entgegenziehen und ihn nachts überfallen. Es wurden noch verschiedene Vorschläge gemacht, aber die meisten als unvorteilhaft, die übrigen als undurchführbar verworfen.
De Coninck stand noch immer gesenkten Hauptes sinnend da; er lauschte wohl auf das, was da gesagt wurde, aber das hinderte ihn nicht an weiterem Nachdenken.
Endlich fragte ihn Gwijde, welche Mittel er angesichts solcher bedenklichen Lage vorschlagen könne.
„Edler Herr,“ antwortete De Coninck, „wäre ich Befehlshaber, so würde ich mich folgendermaßen verhalten: Ich würde in aller Eile mit den Zünften nach Kortrijk ziehen, um den Kastellan van Lens zu verjagen – dann würden die Franzosen diese Stadt nicht als Ausgangspunkt für ihre Pläne benutzen können. Wir aber hätten eine sichere Unterkunftsstätte für die Frauen und Kinder und auch für uns selbst; denn Kortrijk mit seinem Kastell ist stark, während Brügge, so wie es jetzt ist, nicht einen einzigen Sturm aushalten kann. Ich würde noch in dieser Stunde dreißig Boten zu Pferde mit der Nachricht von der Ankunft des Feindes in alle Städte Flanderns senden und alle Klauwaerts nach Kortrijk berufen. Desgleichen würde ich Herrn van Renesse und Herrn Wilhelm von Jülich dorthin bitten. Auf diese Weise, edler Graf, davon bin ich überzeugt, werden binnen vier Tagen dreißigtausend streitbare Vlaemen im Lager sein, und dann brauchen wir die Franzosen nicht so sehr zu fürchten.“
Die Ritter lauschten in feierlicher Stille; sie bewunderten den ungewöhnlichen Mann, der in so wenig Augenblicken einen allgemeinen Kriegsplan entworfen hatte und ihnen jetzt so treffliche Maßregeln darlegte. Obgleich sie die Tüchtigkeit des Obmanns kannten, kostete es sie doch Mühe, sich zu überzeugen, daß ein Weber, ein Mann aus dem gemeinen Volke, soviel Geist besaß.
„Ihr habt mehr Verstand als wir alle zusammen,“ rief Dietrich, „ja, ja, so muß es geschehen! Wir sind stärker, als wir glaubten: nun wendet sich das Blatt. Ich glaube, die Franzosen werden ihr Kommen noch bereuen.“
„Ich danke Gott, daß er Euch diesen Gedanken eingegeben hat, Meister De Coninck,“ fuhr der junge Graf fort, „Eure guten Dienste sollen nicht unbelohnt bleiben. Ich werde Eurem Rate folgen; er zeugt von großer Weisheit. Meister Breydel, ich hoffe, Ihr werdet die Leute, die Ihr uns versprochen habt, auch herbeischaffen.“
„Achttausend habe ich gesagt, edler Graf,“ entgegnete Breydel; „nun gut! jetzt sage ich zehntausend. Ich will nicht, daß auch nur ein einziger Geselle oder Lehrjunge in Brügge bleibe. Jung und alt, alles muß mit. Ich werde schon sorgen, daß uns die Franzosen nicht auf einmal über den Haufen rennen; und diese Obmänner, meine Freunde, werden das auch tun, das weiß ich.“
„Fürwahr, edler Herr,“ riefen die Obmänner einstimmig, „es soll niemand fehlen, denn alle brennen auf den Kampf!“