„So erklärt Euch denn, Herr Dietrich, erklärt Euch näher und erschreckt uns nicht durch unverständliche Worte.“
„Nun denn, so sage ich euch: vor der Stadt Rijssel lagern zweiundsechzigtausend[32] Franzosen.“
„Zweiundsechzigtausend!“ wiederholten die Ritter und blickten einander erschrocken an.
„Zweiundsechzigtausend!“ wiederholte auch Breydel, während er erfreut die Hände rieb, „o Gott, welch schöne Herde!“
De Coninck senkte sein Haupt und verfiel in tiefes Sinnen; dieses war immer das erste, was der kluge Obmann der Weber in schwierigen Fällen tat. Dann berechnete er rasch die Gefahr und die Mittel, ihr zu begegnen.
„Ich versichere euch, meine Herren,“ nahm Dietrich wieder das Wort, „es sind ihrer mehr denn zweiunddreißigtausend Reiter und wohl ebensoviel Fußknechte. Sie rauben und brennen, als ob sie sich dadurch den Himmel verdienen sollten.“
„Seid Ihr dieser schlimmen Kunde auch ganz gewiß,“ fragte Gwijde ängstlich, „hat Euch der, der es Euch sagte, nicht getäuscht, Herr Dietrich?“
„Nein, nein, edler Gwijde, ich habe es mit eigenen Augen gesehen, habe selbst gestern abend in dem Zelt des Seneschalls Robert d'Artois gespeist. Er hat mir auf seine Ehre geschworen, daß der letzte Vlaeme von seiner Hand sterben solle. Seht nun, was Ihr tun könnt. Ich meinesteils werde schleunigst einen Harnisch anlegen; und müßte ich auch allein gegen die zweiundsechzigtausend verwünschten Franzosen kämpfen, ich würde keinen Schritt zurückweichen; ich mag Flanderns Sklaverei nicht mehr länger mit ansehen.“
Jan Breydel konnte sich keinen Augenblick stillhalten; ständig waren Arme und Beine in Bewegung. Hätte er nur zu sprechen gewagt; aber die Ehrfurcht vor den anwesenden Herren hielt ihn zurück. Gwijde und die anderen Edeln sahen einander in ratloser Betrübnis an. Zweiunddreißigtausend geübter Reiter, das schien ihnen zu viel, um Widerstand leisten zu können. Im vlaemischen Heere waren nur die fünfhundert Reiter, die Gwijde mitgebracht hatte. Was vermochte diese kleine Anzahl gegen die furchtbare Masse der Feinde?