Der Obmann der Weber drückte Breydels Hand als Zeichen seiner Freundschaft und seines Einverständnisses.

„Meister De Coninck,“ fragte Gwijde, „habt Ihr die Zünfte von meinem Wunsch in Kenntnis gesetzt? Sollen mir die nötigen Gelder besorgt werden?“

„Die Zünfte von Brügge,“ war die Antwort, „stellen Euch all ihre Mittel zur Verfügung, edler Herr. Wollet nur einige Diener mit einem schriftlichen Befehl nach dem Pand senden: dort soll ihnen so viel Geld in Silber ausgezahlt werden, als Euer Edeln es wünschen. Sie bitten Euch, keine Rücksicht auf sie zu nehmen, denn die Freiheit kann ihnen gar nicht zu teuer sein.“

In dem Augenblick, da Gwijde die Bereitwilligkeit der Brügger mit dankenden Worten anerkennen wollte, tat sich die Tür auf. Alles blickte erstaunt auf den Mönch, der, ungerufen, keck in den Saal trat und auf die Obmänner zuging. Eine Kutte von schwerem braunen Tuche war durch einen Strick um seinen Leib zusammengehalten, eine schwarze Kappe verbarg seine Züge, so daß man ihn nicht erkennen konnte. Er schien sehr alt, denn sein Rücken war gebeugt, und ein langer Bart hing über seine Brust herab. Flüchtig betrachtete er der Reihe nach alle Ritter, und sein scharfer Blick drang bis auf den Grund ihrer Herzen; wenigstens war es sichtlich sein Bestreben. Adolf van Nieuwland erkannte in ihm den gleichen Mönch, der ihm den Brief von Robrecht van Bethune gebracht hatte, und wollte ihn mit lauter Stimme begrüßen, aber das Gebaren des Mönches war so seltsam, daß dem jungen Ritter die Worte auf den Lippen erstarben. Alle Anwesenden wurden von Zorn ergriffen. Das kecke Auftreten des Fremden war eine Schmach, die sie sich nicht gefallen lassen wollten. Doch bald löste sich das Rätsel: da der Mönch seine Prüfung beendet hatte, band er den Strick von den Lenden los, warf seine Kutte und den Bart ab und blieb mitten im Saale stehen. Er erhob sein Haupt, und so gewahrte man einen Mann von ungefähr dreißig Jahren, von schlanker, kühner Gestalt, der die Ritter betrachtete, als ob er fragen wollte: Nun, erkennt ihr mich wieder?

Aber die Umstehenden antworteten nicht so rasch, wie er es wünschte, und so rief er:

„Meine Herren, es scheint Euer Edeln zu befremden, einen Fuchs unter dieser Kutte zu finden, und doch habe ich schon zwei Jahre darin verbracht.“

„Willkommen, willkommen, teurer Freund Dietrich!“ riefen die Edeln wie aus einem Mund; „wir dachten, Ihr wäret längst tot!“

„Dann könnt ihr Gott danken, daß ich wieder auferstanden bin,“ erwiderte Dietrich der Fuchs; „aber nein, ich war nicht tot, unsere gefangenen Brüder und Herr van Nieuwland können es bezeugen. Ich habe sie alle getröstet, denn als ein Wanderpriester durfte ich die Gefangenen besuchen; Gott vergebe mir das Latein, das ich gesprochen habe. Ja, ja, meine Herren, lacht nicht, ich habe Latein gesprochen. Ich bringe Nachrichten von all unseren unglücklichen Landsleuten für ihre Blutsverwandten und Freunde.“

Einige der Ritter wollten ihn über das Schicksal der Gefangenen ausfragen; aber er verweigerte jede Antwort und fuhr fort:

„Um Gottes willen! fragt mich jetzt nicht darüber. Ich habe euch viel Wichtigeres zu erzählen. Hört und zittert nicht; denn ich bringe euch traurige Kunde. Ihr habt das Joch abgeschüttelt und eure Freiheit erkämpft; ich bedauere, daß ich dem Feste nicht habe beiwohnen können. Ehre sei euch, ihr edeln Ritter und Bürger, die ihr das Vaterland befreit habt. Ich kann euch versichern: wenn die Vlaemen binnen vierzehn Tagen keine neuen Ketten tragen, werden ihnen alle Teufel der Hölle die Freiheit nicht wieder rauben können; aber daran zweifle ich noch stark.“