Man erkannte den alten Krieger: ein frohes Jauchzen antwortete seinem Ruf, und sein Name erscholl aus aller Mund:

„Hoch Gent! Heil Herrn Johann Borluut! Willkommen, gute Brüder!“

Als die Vlaemen sahen, daß ihnen ein so unerwarteter Beistand, ein so zahlreiches Heer zu Hilfe kam, da war ihre Freude nicht mehr zu bändigen; die Anführer mußten alles aufbieten, um sie nur in ihren Gliedern zu halten. Sie ergingen sich in ungestümen Bewegungen und tobten vor Freude, als ob sie wahnsinnig wären. Herr Jan Borluut rief ihnen zu:

„Habt Mut, meine Freunde, Flandern wird frei sein. Ich bringe fünftausend wohlbewaffnete, unverzagte Leute.“

Und aufs neue erscholl der Ruf: „Heil, Heil dem Helden von Woeringen! Borluut! Borluut!“

Borluut kam zu dem jungen Grafen und wollte ihn mit höflichen Wendungen begrüßen; aber Gwijde unterbrach ihn:

„Laßt die Redensarten beiseite, Herr Johann, gebt mir die Hand als Freund. Ich bin froh, daß Ihr gekommen seid, Ihr, der Ihr Euer Leben unter dem Harnisch verbracht habt, und dem so tiefe Weisheit innewohnt; ich war schon mißmutig, als ich Euch nicht kommen sah. Ihr habt lange gezaudert …“

„O ja, edler Gwijde,“ war die Antwort, „länger, als ich wünschte, aber die feigen Leliaerts haben mich zurückgehalten. Können Euer Edeln wohl glauben, daß in Gent eine Verschwörung ausgebrochen war, um den Franzosen wieder Eingang in die Stadt zu verschaffen? Sie wollten uns nicht herauslassen, als es galt, unseren Brüdern zu Hilfe zu kommen; aber, Gott sei Dank! das ist ihnen nicht geglückt, denn das Volk haßt und verachtet sie über die Maßen. Die Genter haben den Magistrat auf die Burg gejagt und die Tore der Stadt erbrochen. Dort hinten kommen nun fünftausend unerschrockene Männer, die es ebensosehr nach dem Kampf wie nach einer Mahlzeit verlangt: sie haben heute noch keinen Bissen Brot gegessen.“

„Ich dachte mir wohl, daß Euch große Hindernisse zurückhielten, und fürchtete schon, Ihr würdet nicht kommen.“