„Wie, edler Gwijde, ich hätte nicht in Kortrijk sein sollen? Ich, der ich mein Blut für Fremde vergossen habe, ich sollte meinem Vaterland in der Not nicht beistehen? Das sollen die Franzosen erfahren! Ich fühle mich, als wäre ich keine dreißig Jahre alt! Und meine Leute erst, o Himmel! Wartet nur, edler, Herr, bis die blutige Stunde gekommen ist, und achtet dann auf den weißen Löwen von Gent, wie Ihr da die Franzosen werdet fallen sehen.“

„Ihr erfreut mich, Herr Borluut. Auch unsere Leute sind allesamt ebenso mutig, ebenso unverzagt; wenn wir im Kampf unterliegen sollten, würden nicht viele Vlaemen nach Hause zurückkehren, das versichere ich Euch!“

„Verlieren, sagt Ihr? Verlieren, Herr Gwijde? Das glaube ich nicht, dafür sind unsere Leute zu guten Mutes. Und Breydel erst! Der Sieg steht ihm auf dem Gesicht geschrieben. Seht, edler Herr, ich möchte meinen Kopf verwetten: wenn man Breydel gehen ließe, würde er mit seinen Fleischern durch die zweiundsechzigtausend Franzosen durchbrechen, wie man durch ein Kornfeld dringt. Gott und der heilige Georg werden uns beistehen, hofft nur alles Gute; aber nun entschuldigt mich, Herr Gwijde, mein Heer ist angelangt. Ich verlasse Euch für einen Augenblick.“

Die Genter schritten schon ganz ermattet und mit Staub bedeckt auf den Groeninger Kouter; bei starker Sonnenglut waren sie in schnellem Marsch dahergeeilt. Man sah bei ihnen all die verschiedenen Waffengattungen, die wir bereits beschrieben haben. An der Spitze trabten etwa vierzig Edle hoch zu Roß; es waren fast lauter Freunde des alten Kriegers Jan Borluut: Herr van Leerne, Jan van Coyeghem, Balduin Steppe, Simon Bette, Paul van Severen und sein Sohn, Jan van Aerseele, Junker van Vijnkt, Thomas van Vuselaare, Jan van Mechelen, Wilhelm und Robrecht Wenemaer und noch viele, viele andere. Mitten über diesem Heere flatterte das Banner von Gent mit seinem weißen Löwen. Die Brügger, die nun fühlten, wie ungerecht ihre Schmähungen gegen die Genter gewesen waren, riefen immer wieder: „Willkommen! Willkommen, Brüder! Heil Gent!“

Jan Borluut stellte inzwischen seine Leute in regelmäßigen Abteilungen vor dem linken Flügel des Vierecks auf; er wollte seine tapferen Genter gleichsam zur Schau stellen, damit sich die Brügger überzeugen sollten, daß sie ihnen auch in der Liebe zum Vaterland nicht nachstanden. Auf Befehl Gwijdes verließ er dann den Lagerplatz und rückte in Kortrijk ein, um seine Leute gut unterzubringen, so daß sie die nötige Ruhe genießen konnten.

Sobald die Genter abgezogen waren, trat Johann van Renesse vor und rief: „Die Waffen auf! Still!“

Der Zug, der sich in die Mitte des Heeres begeben hatte, nahm seinen vorigen Platz wieder ein. Alles schwieg auf Befehl des Herrn van Renesse und lauschte aufmerksam dem Herold, der die drei Posaunenstöße wiederholte und dann mit lauter Stimme las:

„Wir, Gwijde von Namur, entbieten im Namen unseres Grafen und Bruders Robrecht van Bethune, des Löwen von Flandern, allen, die dieses lesen oder lesen hören, Heil und Frieden!