Am selben Morgen, da Gwijde die schöne Aufgabe erfüllte, die treuen Dienste De Conincks und Breydels zu belohnen, hatte der französische Feldherr die vornehmsten seiner Ritter zu einem prächtigen Gastmahl geladen.
Das Zelt des Grafen d'Artois war ungemein lang und breit und in verschiedene Räume eingeteilt; da waren Gemächer für die Ritter, andere für die Schildknappen und Waffenträger, für die Leibdiener und Köche und für verschiedene andere Personen seines Gefolges. In der Mitte war ein großer Saal, der abwechselnd zu Gastmählern oder Versammlungen des Kriegsrats bestimmt war und gar viele Ritter fassen konnte. Die gestreifte Seide des Zeltes war mit unzähligen kleinen silbernen Lilien bedeckt; an der Vorderseite über dem Eingang hing das Wappen des Hauses Artois; ein wenig weiter auf einer Erhöhung flatterte das große Lilienbanner Frankreichs. In diesem prächtigen Gemach, das mit reichen Teppichen ausgehangen war, hatte man lange geschnitzte Tische und Samtsessel aufgestellt. Wahrlich, ein Palast konnte nicht mehr Reichtum und Pracht entfalten!
Oben an der Tafel saß Robert Graf d'Artois. Er hatte bereits ein hohes Alter erreicht, war aber noch voll Lebenskraft; eine Narbe auf seiner rechten Wange zeugte von seiner Tapferkeit im Krieg und verlieh seinen Zügen noch mehr Strenge. War auch sein Gesicht durch tiefe Furchen und braune Flecken entstellt, so blitzten doch seine Augen noch mit allem Feuer männlicher Leidenschaft unter seinen buschigen Brauen hervor. Sein Gebaren war wild, und seine kühnen Blicke ließen den unerbittlichen Krieger erkennen.
Neben ihm zur Rechten saß der greise Sigis, König von Melinde; das Alter hatte sein Haar gebleicht und sein Haupt gebeugt, und doch wollte er dieser Schlacht beiwohnen. In der Gesellschaft so vieler alter Kriegskameraden fühlte er den Mut in sein Herz zurückkehren und gelobte sich innerlich, noch manche rühmliche Waffentat auszuführen. Das Gesicht des alten Fürsten flößte die größte Ehrfurcht ein; Milde und Seelenruhe waren darin ausgedrückt. Der gute Sigis würde die Vlaemen gewiß nicht bekämpft haben, wenn ihm der Stand der Dinge bekannt gewesen wäre; aber man hatte ihn gleich vielen anderen hintergangen, hatte vorgegeben, die Vlaemen wären schlechte Christen, und man täte also ein gottgefälliges Werk, wenn man sie bis auf den letzten Mann ausrottete. In dieser Zeit leidenschaftlichsten Glaubenseifers genügte es, jemanden der Ketzerei zu beschuldigen, um ihm in jedermann einen Todfeind erstehen zu lassen.
Zur Linken des Feldherrn saß Balthasar, König von Majorka, ein wilder und tapferer Krieger; seine Züge bezeugten das hinlänglich. Der starre Blick seiner schwarzen Augen war schier unerträglich. Wilde Freude erheiterte sein Antlitz, da er hoffte, sein Reich, das ihm von den Mauren entrissen war, wieder zu erhalten. Neben ihm saß Châtillon, der frühere Landvogt von Flandern, der Mann, der das Werkzeug der Königin Johanna, die Ursache alles geschehenen Unglücks war. Seine Schuld war es, daß so viele Franzosen in Brügge und Gent ermordet worden waren; er war die Ursache der schrecklichen Metzelei, die noch bevorstand. Welche Ströme nach Rache schreienden Blutes lasteten auf dem Haupte dieses Tyrannen! Er gedachte, wie ihn die Brügger schmachbedeckt aus ihrer Stadt verjagt hatten und rechnete auf gewaltige Rache; es schien ihm unmöglich, daß die Vlaemen der vereinigten Macht so vieler Könige, Fürsten und Grafen widerstehen könnten, und innerlich jubelte er bereits, und sein Gesicht war fröhlich.
Auf ihn folgte sein Bruder Gui de Saint-Pol, der nicht minder rachsüchtig war als er; weiter konnte man auch Thibaud, Herzog von Lothringen, zwischen den Herren Johann von Barlas und Renauld von Trier bemerken; er war den Franzosen mit sechshundert Pferden und zweitausend Bogenschützen zu Hilfe gekommen.
Rudolf von Nesle, ein tapferer und edelmütiger Ritter, saß neben Herrn von Ligny an der linken Seite der Tafel. Seine Züge verrieten Unzufriedenheit und Betrübnis, und es war deutlich zu merken, daß ihm die grausamen Drohungen, welche die Ritter gegen Flandern ausstießen, nicht behagten.
In der Mitte der rechten Seite, zwischen Louis von Clermont und dem Grafen Jean d'Aumale, saß Gottfried von Brabant, der den Franzosen Berittene zugeführt hatte.
Neben ihnen bewunderte man die hohe Gestalt des Seeländers Hugo van Arckel; er ragte weit über die anderen Ritter empor, und sein kräftiger Wuchs verriet hinlänglich, wie furchtbar ein solcher Kämpfer auf dem Schlachtfeld sein mußte. Dieser Ritter war seit langen Jahren nirgend anders denn in dem einen oder anderen Kriegslager zu Hause gewesen; seiner Tapferkeit und großen Waffentaten wegen überall berühmt, hatte er eine Abteilung von achthundert unverzagten Männern um sich versammelt und zog mit ihnen in alle Lande, wo es nur etwas zu kämpfen gab. Mehrmals hatte er den Sieg durch seine Gegenwart dem Fürsten, dem er diente, zugewandt; er wie seine Leute waren mit Narben bedeckt. Dies beständige Kämpfen war sein Leben und seine Erholung; Ruhe war ihm unerträglich. Er hatte sich in das französische Lager begeben, weil er dort viele seiner Waffenbrüder gefunden hatte; und da ihn lediglich die Lust zum Krieg leitete, so kümmerte er sich wenig darum, für wen oder weshalb er kämpfte.
Unter anderem waren ferner noch die Herren Simon von Piémont, Louis de Beaujeu, Froald, Kastellan von Douai, und Alin de Bretagne anwesend.