Eine weitere Ritterschar fand sich am unteren Ende der Tafel. Gleich als hätten die Franzosen sie nicht zwischen sich haben wollen, saßen sie alle nebeneinander auf dem am wenigsten ehrenvollen Platz. Wirklich hatten die Franzosen darin nicht unrecht: diese Ritter waren verächtlich. Denn während ihre Vasallen als echte Vlaemen den Feind erwarteten, waren ihre Lehensherren im französischen Heere. Welche Verblendung trieb die Abtrünnigen dazu, den Schoß ihrer Mutter gleich einer Schlange zu zerfleischen? Sie fochten unter feindlicher Fahne, um das Blut ihrer Landsleute auf vaterländischem Boden zu vergießen, vielleicht das Blut eines Bruders oder das eines Busenfreundes; und weshalb? Um das Land, in dem sie geboren waren, in Sklavenketten zu schlagen und den Fremden zu unterwerfen.
Die Entarteten erkannten nicht, daß Schande und Verachtung über ihrem Haupte schwebte; sie hatten kein Herz, um darin nagende Vorwürfe zu empfinden! Die Namen dieser Abtrünnigen sind der Nachwelt erhalten geblieben: Hendrik van Bautershem, Geldof van Winghene, Arnold van Eickhove und sein ältester Sohn, Hendrik van Wilre, Willem van Redinghe, Arnold van Hofstad, Willem van Cranendonc und Jan van Raneel waren unter den vielen anderen die Vornehmsten.
Alle Ritter aßen von Tellern aus getriebenem Silber und tranken die kostbarsten Weine aus goldenen Bechern. Die Gefäße, die vor Robert d'Artois und den beiden Königen standen, waren kostbarer und größer als die der anderen Herren; ihre Wappen waren kunstvoll darin eingegraben, und manch unschätzbarer Stein glänzte an ihrem Rande. Während der Mahlzeit war viel über den Stand der Dinge die Rede, und aus den Worten der Gäste konnte man sehr wohl entnehmen, welch furchtbares Los dem verurteilten Flandern zugedacht war.
„Ja, ja,“ antwortete der Feldherr auf eine Frage Châtillons, „alles muß vernichtet werden. Diese verwünschten Vlaemen sind nicht anders zu bändigen als durch Feuer und Schwert; ließen wir diese Bauernschar leben, so hätten wir nichts erreicht. Das muß ein Ende nehmen! Meine Herren! Laßt uns kurzerhand vorgehen, damit wir unsere Schwerter nicht länger mehr mit diesem schlechten Blute zu besudeln brauchen.“
„Fürwahr,“ sprach Jan van Raneel, der Leliaert, „fürwahr, Herr d'Artois, Ihr habt recht. Es ist nicht möglich, mit diesen Meuterern anders fertig zu werden. Sie sind zu reich und würden sich bald über uns erhaben glauben. Sie wollen bereits nicht mehr anerkennen, daß wir, die wir doch auch aus edelm Blute entsprossen sind, sie als unsere Untertanen behandeln dürfen, – als ob das Geld, welches sie mit ihrer Hände Arbeit gewonnen haben, ihr Blut veredeln könnte! Sie haben sich in Brügge und Gent Häuser gebaut, die unsere Schlösser an Pracht übertreffen; ist das nicht eine Schmach für uns? Gewiß, wir dürfen das nicht länger ertragen.“
„Wenn wir nicht alle acht Tage von neuem Krieg führen wollen,“ bemerkte Willem van Cranendonc, „so müssen alle Zunftleute erschlagen werden, denn die Verbleibenden werden sich nicht ruhig verhalten; deshalb finde ich, daß Herr d'Artois allen Grund hat, keinen zu verschonen.“
„Und was werdet ihr tun, wenn ihr all eure Vasallen ermordet habt?“ fragte der gewaltige Hugo van Arckel lachend. „Meiner Treu! Dann könnt ihr eure Ländereien selbst pflügen. Eine schöne Aussicht, wahrhaftig.“
„O,“ antwortete Jan van Raneel, „ich weiß ein gutes Aushilfsmittel: wenn Flandern von dieser starrköpfigen Bande gesäubert ist, werde ich französische Freigelassene aus der Normandie rufen und ihnen meine Ländereien übergeben.“
„Auf diese Weise könnte Flandern wirklich ein Teil Frankreichs werden. Das ist ein guter Vorschlag; ich werde dem König das vorstellen, damit er die anderen Lehnsherren auffordert, sich auch dieses Mittels zu bedienen. Ich glaube, das dürfte so schwer nicht sein.“
„Gewiß nicht, mein Herr. Findet Ihr meinen Gedanken nicht gut?“