Robert d'Artois flammte zornig auf; er schlug mit seiner Trinkschale auf den Tisch, daß die Trinkgefäße der anderen Ritter in die Höhe sprangen, und schrie:
„Herr d'Arckel, Ihr sollt auf Frankreichs Ehre trinken; ich verlange es!“
„Mein Herr,“ entgegnete Hugo mit erkünstelter Ruhe, „ich trinke nicht auf die Verwüstung eines Christenlandes. Ich habe lange in allen Gegenden gekämpft, aber noch nie habe ich Ritter angetroffen, die ihr Gewissen mit so schrecklichen Übeltaten hätten beschweren mögen.“
„Ihr sollt mir Bescheid tun, das fordere ich!“
„Und ich will es nicht!“ antwortete Hugo. „Hört, Herr d'Artois, Ihr habt mir bereits gesagt, daß meine Leute zu hohe Bezahlung verlangten und Euch zu teuer kämen. Wohlan, Ihr sollt nicht mehr zu bezahlen haben, ich will unter Eurem Heere nicht mehr dienen; so hat unser Streit ein Ende.“
Alle Ritter, selbst der Feldherr, wurden ob dieser Worte bestürzt, denn sie empfanden den Abzug Hugos als einen großen Verlust. Der Seeländer stieß seinen Sessel zurück, warf einen seiner Handschuhe auf den Tisch und rief:
„Meine Herren, ich sage, daß ihr alle lügt! Ich höhne euch ins Gesicht. Das ist mein Handschuh, wer Lust hat, mag ihn aufnehmen; ich fordere ihn auf den Kampfplatz!“
Fast alle Ritter griffen ungestüm danach, auch Rudolf von Nesle; aber Robert d'Artois hatte sich so hastig herzugedrängt, daß er ihn vor den anderen ergriffen hatte.
„Ich nehme Eure Herausforderung an,“ sprach er, „kommt, wir wollen gehen!“
Der alte König Sigis von Melinde richtete sich auf und erhob zum Zeichen, daß er sprechen wollte, seine Hand über den Tisch. Die große Ehrfurcht, die beide Kämpfer vor ihm empfanden, hielt sie zurück; sie blieben schweigend stehen, um ihn zu hören. Der Greis sprach: „Meine Herren, laßt euren Eifer sich ein wenig abkühlen und schenkt meinem Rate Gehör. Ihr, Graf Robert, seid in diesem Augenblick nicht Herr Eures Lebens; wenn Ihr fallt, wird das Heer Eures Fürsten ohne Feldherr und deshalb der Unordnung und Zersplitterung ausgesetzt sein; das dürft Ihr nicht wagen. Euch, Herr van Arckel, frage ich, ob Ihr an der Tapferkeit des Herrn d'Artois zweifelt?“