Nun entbrannte ein furchtbarer Kampf. Die französischen Reiter hatten ihre Speere weggeworfen und hieben mit ihren furchtbaren Schlachtschwertern auf die Vlaemen ein. Die wehrten sich tapfer mit Keulen und Streitäxten und erschlugen auch manchen Reiter; aber der Vorteil blieb doch auf seiten Gottfrieds von Brabant: seine Leute hatten schon gar viele Vlaemen rings um sich her zu Boden gestreckt, und in der vlaemischen Schlachtordnung klaffte eine weite Lücke. Durch diese drangen alsbald alle Franzosen, die über den Bach gelangen konnten und griffen jenen Teil des vlaemischen Heeres im Rücken an. Diese Wendung war für die Vlaemen äußerst verhängnisvoll. Da der Feind von vorn und hinten auf sie einstürmte, fehlte es ihnen an Raum, um ihre Goedendags zu gebrauchen. So waren sie gezwungen, sich mit Streitäxten, Keulen oder Schwertern zu verteidigen, und das hatte wieder für die französischen Reiter große Vorteile. Nun konnten sie von oben herab leicht auf die Vlaemen einhauen und spalteten fast mit jedem Schlag einem das Haupt oder hieben ein Glied vom Leibe.

Wilhelm von Jülich focht wie ein Löwe. Er stand allein mit seinem Waffenträger und Philipp von Hofstade inmitten von dreißig Feinden, die sein Banner rauben wollten, aber alle Arme, die sich danach ausgestreckt hatten, waren unter seinem Schwerte gefallen.

In diesem Augenblicke setzte Artur von Mertelet, ein normännischer Ritter, mit einer ansehnlichen Reiterschar über den Bach und stürmte in vollem Trab auf Wilhelm von Jülich an. Das Eingreifen dieses Trupps mußte die Lage der Vlaemen noch verschlimmern; denn nun wurde die Übermacht der Feinde doch zu groß, der Angriff unwiderstehlich. Als der Normann Wilhelms Fahne zu Gesicht bekam, trieb er sein Roß pfeilgeschwind darauf zu und fällte den Speer, um den Fahnenträger zu durchbohren. Aber Philipp von Hofstade bemerkte es, drängte sich durch einige französische Fußknechte hindurch und stürmte Mertelet entgegen. Der Anprall der beiden Ritter war so gewaltig, daß sie sich gegenseitig durchbohrten. Die beiden Kämpfer und ihre Rosse blieben bewegungslos stehen, als ob plötzlich ihre Leidenschaft abgekühlt wäre. Man hätte glauben können, daß sie sich einander aufmerksam betrachteten; und dabei drückten sie noch mit dem ganzen Gewicht ihres Körpers auf den Speer, als ob sie in boshafter Freude den Feind noch ärger quälen wollten. Doch das dauerte nicht lange: bald machte Mertelets Pferd eine Bewegung, und die Leichen beider Ritter fielen aus dem Sattel zu Boden.

Als Herr Jan van Renesse, der auf dem rechten Flügel stand, inne ward, in welcher Gefahr Wilhelm von Jülich schwebte, verließ er seinen Platz, eilte hinter die Schlachtlinie und griff mit Breydel und seinen Fleischern die Franzosen von der Seite an.

Nichts konnte solchen Leuten widerstehen. Mit bloßer Brust stürzten sie jeder Waffe entgegen und empfingen den Todesstich oder Schlag, der sie traf, ohne auch nur den Kopf wegzuwenden. Diese Männer wagten es in der Tat, dem Tod ins Auge zu blicken, seiner zu spotten. So sank denn auch alles unter ihre Füße, sobald sie sich zeigten; sie hieben mit ihren Beilen den Pferden die Füße ab, brachten so den Ritter zu Sturz und spalteten ihm das Haupt.

Wenige Augenblicke, nachdem sie Wilhelm von Jülich zu Hilfe gekommen waren, war der Kampfplatz so gesäubert, daß nur noch etwa zwanzig Franzosen hinter der Schlachtlinie verblieben, darunter Gottfried von Brabant, der für den Feind seiner Sprache und Stammverwandten stritt.

Als Herr van Renesse ihn bemerkte, rief er ihm zu:

„Gottfried, Gottfried! Gebt acht, Ihr werdet sterben!“

„Ihr meint Euch selbst,“ antwortete Gottfried, indem er Herrn Jan einen gewaltigen Streich auf den Kopf versetzte. Aber der schwang sein Schwert mit einer kräftigen Wendung von unten nach oben und hieb ihm so stark wider das Kinn, daß Gottfried aus dem Sattel stürzte.