Hierdurch gerieten die französischen Schützen in solche Wut, daß sie ihre Armbrüste fortwarfen, mit dem Degen in der Faust den vlaemischen Schleuderern nacheilten und sie bis an den zweiten Bach, der vor dem vlaemischen Lager floß, verfolgten.

Als Herr Valepaiële, welcher bei Robert d'Artois stand, den Fortschritt der Schützen bemerkte, rief er:

„O Seneschall, diese schlechten Fußknechte werden so viel erreichen, daß sie allein die Ehre des Kampfes ernten. Wenn sie den Feind auseinandertreiben, was bleibt dann uns Rittern hier zu tun übrig? Es ist eine Schande! Wir stehen hier, als ob wir nicht zu kämpfen wagten.“

„Montjoie Saint-Denis!“ schrie Robert, „Vorwärts, Konstable! Greift an!“

Bei diesem Befehl ließen alle Ritter der ersten Abteilung ihren Pferden die Zügel schießen und sprengten in Unordnung vorwärts; jeder wollte der Erste sein, um den Ehrenstoß zu tun. Nur von diesem Gedanken erfüllt, ritten sie die Bogenschützen über den Haufen und durchbohrten die eigenen Leute. Hunderte von Fußknechten rangen unter den Hufen der Rosse, die sie zertraten, mit dem Tode; die übrigen flohen nach allen Seiten hin vom Schlachtfeld davon.

So machten die Ritter den errungenen Vorteil zunichte und ließen den vlaemischen Schleuderern Zeit, sich wieder zu sammeln. Das Wehegeschrei der Gefallenen war fürchterlich. Die unglücklichen Ritter, über die eine ganze Schar anderer Ritter hinwegstürmte, riefen, man möge sie doch nicht zermalmen. Aber da war kein Halten mehr. Schon waren die Stimmen der zuerst Gefallenen im letzten Todesröcheln verhallt; diejenigen, die sie überrannt hatten, wurden nun ihrerseits von den anderen zerstampft, so daß das Wehegeschrei kein Ende nahm. Die hintersten Scharen, die jetzt glaubten, daß der Kampf begonnen habe, setzten nun auch den Pferden die Sporen in die Weichen und jagten zu dem Bache hin, an dessen Ufern sich das zutrug. Die meisten von ihnen vermehrten nur die Opfer, die ihres Feldherrn Unbesonnenheit verschuldete. So kamen unbegreiflich viele Ritter und Fußknechte ums Leben.

Die Vlaemen hatten sich noch nicht gerührt. Noch immer standen sie regungslos, schweigend in einer langen Reihe da und sahen dieses Schauspiel verwundert mit an. Die vlaemischen Anführer gingen mit viel Klugheit und Erfahrung zu Werke. Manch anderer würde diesen Augenblick zu einem Angriff für günstig gehalten haben, wäre vielleicht über den Bach vorgestoßen und über die Franzosen hergefallen. Aber Gwijde und Jan Borluut, dessen Rat ersterer befolgte, wollten die Vorteile ihrer Stellung nicht für einen augenblicklichen Gewinn darangeben. Fortwährend herrschte im Heere die größte Stille, damit jegliche Befehle gehört werden konnten.

Endlich waren beide Bäche mit Leichen von Menschen und Pferden aufgefüllt, und so glückte es Rudolf von Nesle, mit ungefähr tausend Reitern hinüberzugelangen. Als er sie in dichtgedrängten Reihen aufgestellt hatte, rief er:

„Frankreich, Frankreich! Vorwärts, vorwärts!“

Mutig und sonder Zagen griff er die Mitte des Heeres der Vlaemen an. Die hatten ihre langen Goedendags mit dem einen Ende in die Erde gestemmt und nahmen die französischen Reiter mit der Spitze dieser furchtbaren Waffe in Empfang. Eine Unmenge Feinde fiel bei diesem Stoß aus dem Sattel und war bald erstochen. Aber Gottfried von Brabant, der inzwischen auch mit seinen neunhundert schweren Reitern über den Bach gekommen war, griff die Schar Wilhelms von Jülich mit solcher Wucht an, daß er die drei ersten Glieder zu Boden warf und die vlaemische Schlachtordnung durchbrach.